Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 9)
- Language
- German
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Der mäikische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510. 175 die sogenannten Memorbücher, wissen von ihm zu erzählen1), und anch hier ist er nur durch den auszeichnenden Titel (ebenso wie Rabbi Josef von Osterburg) als Rabbiner kenntlich. — Das Geständnis des Salomo von Spandau hatte zunächst nur den Jakob von Brandenburg verdächtigt. Die Hineinziehung des Rabbi Sloman ist nach ihren Ursachen und nach ihrer zeitlichen Rubrizierung aus den Quellen nicht klar zu ermitteln. Angelus (a. a. O. S. 271) erzählt, der Kurfürst habe den von Salomo verdächtigten Jakob nebst dessen Sohn Smol, den angeblichen Überbringer des Hostienstückes, »und Sloman ihren Rabbi:< von Brandenburg holen lassen. Demnach wäre die Verhaftung Slomans verfügt worden, obwohl eine ausdrückliche Verdächtigung nicht vorlag, offenbar lediglich auf Grund seiner Eigenschaft als Rabbi, dessen Mitwisserschaft man als selbstverständlich annahm. Mittlerweile allerdings hatte man es in Brandenburg verstanden, auch Sloman als verdächtig zu brandmarken. Während nämlich das Hauptinquisitorium gegen Fromm und Salomo in Berlin stattfand, hat man, sobald die Kunde von der Verdächtigungjakobs nach Brandenburg gelangt war und noch vor Eintreffen des Verhaftbefehles, in Brandenburg ein Nebeninquisitorium in Szene gesetzt, und alles deutet darauf hin, dass der Bischof Hieronymus hierbei die treibende Kraft war. Die »peinliche Befragung«, d. h. die Folterung Jakobs fand »in Gegenwart und auf vermahnen vieler redlicher Personen, so wohl Weltlichen als Geistlichen« (Angelus), statt. Die Anwesenheit der Geistlichen kann nur dann einen Sinn haben, wenn der Bischof seine Hand im Spiele hatte. Der Brandenburger Inquirent, der Bürgermeister B e 11 i n, ג) Das Memorbuch von Münden (Löwenstein in der Zeitschrift für Geschichte der Juden in Deutschland I., Seite 196) und der קונטרס der »alten Schul« in Posen (David Kaufmann in Berliner-Hoffmanns Magazin für die Wissenschaft des Judentums 1896, Seite 49, Anmerkung 1.)