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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 2 · p. Seite 174

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 2
Article
Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510
Date
1905-01-01
Page
Seite 174 (sequence 8)
Language
German
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174 Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510. gegen die Reformation1). Die finanzpolitischen Rücksichten, aus denen er die Juden geschützt hatte, traten für ihn mit dem Augenblick in den Hintergrund, wo es sich um ein religiöses Delikt handelte. Und so Hess er der Untersuchung freien Lauf. Unter der Folter sagte Salomo aus, er habe die Hostie auf einen Tisch gelegt, in sie mit Messern gestochen usw., sie sei dann von selbst in drei Teile auseinandergesprungen, deren Ränder blutig gewesen seien. Den einen Teil habe er zu essen versucht; es sei ihm aber nicht gelungen. Um ihn zu vernichten, habe er ihn in einen Teig hineingeknetet und den unter allerlei Wunderzeichen gebackenen »Matzkuchen« in der Synagoge zu Spandau aufgehängt. Das zweite Hostienstück habe er durch einen gewissen Salomon Heller an den Juden Markus nach Stendal, das dritte an den Juden Jakob nach Brandenburg durch dessen Sohn S m o 1 geschickt. Hier in Brandenburg waren von Joachim I. 1509 J a ko b und SIo man privilegiert werden. Von der Erlaubnis des Kurfürsten, sich einen Rabbi zu halten, haben die Juden in Brandenburg offenbar alsbald Gebrauch gemacht, und zwar ist es der eben im Jahre 1509 privilegierte Sloman, in den jüdischen Quellen Rabbi Salomo ben Jakob genannt, dessen religiöser Führung sie sich anvertrauten. Sicherlich war er durch Gelehrsamkeit und Frömmigkeit ausgezeichnet. Wir wissen allerdings nicht mehr von diesem ersten Rabbiner der Stadt Brandenburg, als dass er zu den Unglücklichen gehörte, die in der Verfolgung des Jahres 1510 als Opfer und Märtyrer geblutet haben. Kein Responsum, keine Haskama nennt seinen Namen. Nur jene blutgetränkten Blätter, die in denSynagogen das Gedächtnis der jüdischen Märtyrer aufbewahren, 9 Er war unter anderem als Gegner Luthers auf dem Wormser und Augsburger Reichstag tätig. Zimmermann: Geschichte der Mark Brandenburg unter Joachim I. und II. Seite, 37 ff.

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