Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2829132-2829787-2829790-2885956--33535-2886015- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510.!71 seiner Regierung diese furchtbare Verfolgung stattfand. Eine der wenigen jüdischen Quellen, die über dieselbe vorhanden sind, belegt den Kurfürsten mit demselben Namen, den Haman im Buche Esther trägt (1צורר ,הצר הגדול) Aber dem jüdischen Chronisten war eben nur die entsetzliehe Gegenwart mit all ihren Schrecken bekannt geworden, für die er nur denjenigen verantwortlich machen konnte, der als oberster Herr an der Spitze des Staates stand. Was hinter den Kulissen der Diplomatie vorgegangen war, blieb dem jüdischen Chronisten verborgen, sonst hätte er den Kurfürsten als denjenigen erkennen müssen, der sich gewissermassen in der Verfolgung von 1510 auch selbst als einen Verfolgten ansehen konnte. In unser Darstellung werden all die Momente, die zu dieser Auffassung zwingen und den Prozess als eine Anzettelung der Städte, des Adels und der Geistlichkeit erweisen, zutage treten. Dieselben sind denn auch für die hie und da berührte Frage der Schuld oder Unschuld der Juden von entscheidender Bedeutung2). ב) S. Ozar tob, hebr. Beilage zu Berliner-Hoffman ns Magazin f. d. Wissenschaft d. Judentums, 1890, S. 43. 2) Die Hauptquelle für den Prozess ist Angelus: Annales Marchiae Brandenburgensis S. 269—277, der seinerseits aus einer im Jahre 1511 zu Frankfurt a. O. bei Johann Hanau gedruckten und mit vielen Holzschnitten versehenen anonymen Schrift geschöpft hat: »Dietzs ist der wahrhafftig Sumarius der gerichts hendel unnd process der gehalten ist worden uff manchfaldig Indicia, aussag, und bekentnus eines Pawl From gnant der das hochwirdig Sacrament sambt einer monstrantzien etc. auss der kirchen zu Knobloch gestohlen. Und auch des begangen hendell der Jüden die in thetliche hennde an das aller heiligst hochwirdigst Sacrament und vil unschuldige cristliche Kinder torstiglich geleget und im zehnde Jar zu Berieten gerechtfertigt sein worden«. Ausser einigen kurzen zeitgenössischen Notizen in der Chronik des Engelbert Wusterwitz (Riedel D., Seite 83 ff.) und in den Exzerpten, welche der Pfarrer Dionysius aus verschiedenen Chroniken angefertigt hat (ibid. Seite 302) kömmt noch der Bericht des Abtes Johannes von Trittenheim in Betracht, (Annales Hirsaugienses, St. Gallen 1690, Band II,