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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 2 · p. Seite 169

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 2
Article
Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510
Date
1905-01-01
Page
Seite 169 (sequence 3)
Language
German
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Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510.!69 In den folgenden Jahrzehnten blieben die Juden das Kampfobjekt zwischen den Kurfürsten und den Städten, denen sich die Ritterschaften und die Geistlichen anschlossen. Die Bitten und Vorstellungen um Vertreibung der Juden erneuerten sich. Eine solche Bitte richteten die »Prelaten und heren« auf dem »Herrentage« des Jahres 1480 an den Kurfürsten Albrecht Achilles1). Markgraf Johann, der damals in Abwesenheit seines Vaters die Mark verwaltete, wies die Bittsteller ab, indem er betonte, dass sein Vater den Juden nun einmal die Privilegien erteilt habe2). Allein bereits im folgenden Jahre verlangte die altmärkische Ritterschaft von Johann den Erlass besonderer Wuchergesetze gegen die Juden und wiederholte die Forderung, sie zu vertreiben3). Aber Johann, der 1486 Kurfürst wurde, blieb in dem Kampfe um die Juden, aus denen die kurfürstliche Kasse immer höhere Einnahmen zog, Sieger. Umso tiefer nistete sich der Hass gegen die Juden bei den Städtern ein. Zähneknirschend vernahmen sie von den judenaustreibungen in den Nachbarprovinzen. 1492 wurden die Juden aus Mecklenburg, 1493 aus dem Erzbistum Magdeburg verjagt. Nur sie, die märkischen Städte mussten ihre Juden, von denen sie keinerlei Vorteile genossen, immer noch in ihren Mauern dulden. Auch 0 Riedel C II, S. 246 f. »Den landen zu gut die Juden dar auszlassen zu ziehen und nicht zu halten, die seinen gnaden und gemeynen Lande schedlich seien.« 2) Ibidem : »Der Juden halben, die sind von meinem gnedigen Herrn drey Jare aufgenommen und nach alter Gewohnheit gefreyet«. Riedel gibt als im Original der Urkunde durchstrichen einen Passus an, der ein interessantes Licht auf die Folgen der Vertreibung von 446נ wirft. Er erzählt, dass damals »die mannschaft und andere serer durch die cristen besweret wurden, dann durch die juden.« 3) Raumer: Codex diplomaticus brandenburgensis continuatus II, S. 61: »Die juden nicht zu halten weil alle durch iren wucher jemerlich verdorben würden.«

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