Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2829132-2829787-2829790-2885956--33532-2886012- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
168 Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510. die Kunde von ihr in erster Linie aus einer Stelle in Oerckens Stiftshistorie von Brandenburg1), wo bei der Geschichte des Bischofs Stefan Bodeker von einem scharfen Protest erzählt wird, den dieser Kirchen* fürst gegen die grausame Massregel des Kurfürsten erlassen habe2 * * * * *). Dass wir in dieser Massregel eine erste Frucht des Kampfes um die Judeneinkünfte zu erblicken haben, ist aus dem Eifer ersichtlich, mit welchem der Kurfürst schon einige Jahre später die Wiederaufnahme der Juden betrieb, sowie aus dem hartnäckigen Widerstand, den z. B. Stendal dieser Wiederaufnahme entgegensetzte, und den der Kurfürst nur durch anderweitige Konzessionen schliesslieh zu überwinden vermochte.8) Dieser Widerstand Stendals ist nur zu begreifen, wenn der Kurfürst die Judeneinkünfte in die kurfürstliche Landeskasse übergeleitet hatte, so dass für die Stadt selbst jeder Grund zur Aufnähme der Juden fortfiel. 1f S. 233. 2) Uber den auch in jüdischer Wissenschaft erfahrenen Bischof vgl; die Monographie von Heydier(Programm der Brandenburger Ritterakademie 1886), Valentin Rose im zweiten Bande des Katalogs der lateinischen Handschriften der königlichen Bibliothek zu Berlin, Schönfelder im historischen Jahrbuch der Görres-Gesellschaft, Bd. XXIII, Heft 3, S. 59 ff. Bodekers Protest findet sich in seinem Commentarius ad decalogum, praeceptum III, cap XXIV und lautet: »Male ergo faciunt principes, qui Judeos ex cupiditate inauditos et sine justa causa rebus suis spoliant et trucidant seu ad carceres ponunt, et si bona, quibus sic spoliantur, sunt acquisita per usuram, principes tenentur ad restitutionen.« Die Verfolgung selbst beschreibt er in cap III mit diesen Worten: »A. D. 1446 Sabbatho IV temporum quo cantatur veni et ostende omnes Judei in Marchia Brandenburgensi capti sunt, omnibus bonis suis spoliati et incarcerati.« a) Die Verhandlungen des Kurfürsten mit Stendal (Riedel cod. dipl. A, XVI. S. 252—254) bilden die zweite Quelle für die Verfolgung des Jahres 1446. Der ganze Konflikt ist ausführlich dargestellt von Landsberger in »Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums« 1882, S. 34 ff.