Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der märkische Hostienschändungsprozess vom Jahre 1510
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 1)
- Language
- German
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167 Ser märkische jCostienschänötmgsprozess vom jfahre 1510') Von A. Ackermann. Die mittelalterliche Geschichte der märkischen Juden kennt zwei grosse Verfolgungen, die, obwohl mehr als sechzig Jahre voneinander entfernt, dennoch einen inneren Zusammenhang aufzuweisen haben. Beide sind aus den gewaltigen Kämpfen hervorgewachsen, welche die hohenzollerschen Kurfürsten mit den Städten der Mark Brandenburg mehrere Jahrzehnte hindurch führten, und die sich nicht zum geringsten auch um die J u d e n e i nkünfte drehten. Im Jahre 1446, am 17. Dezember, erliess Kurfürst Friedrich IL, der »Eiserne«, nachdem er noch sechs Jahre zuvor das von seinem Vater erneuerte und auf alle märkischen Juden ausgedehnte neumärkische Judenprivilegium Ludwigs des Älteren* 2) (1344) auch für seine Person bestätigt hatte3), plötzlich den Befehl, alle Juden der Mark gefangen zu setzen, dann zu vertreiben und ihrer Güter zu berauben. Direkte Nachrichten über diese Verfolgung sind uns allerdings nicht erhalten. Wir schöpfen ג) Die vorliegende Abhandlung ist im wesentlichen ein Ausschnitt aus einer Geschichte der Juden in der Stadt Brandenburg a. H., mit der ich augenblicklich beschäftigt bin, und deren Fertigstellung mich noch längere Zeit in Anspruch nehmen wird. Die Einheitlichkeit und Geschlossenheit gerade dieses Teils veranlasst mich, ihn einstweilen zu veröffentlichen. 2) Vgl. S e 11 o in der Berliner Zeitschrift »Der Bär«, Jahrgang 1879, S. 21 ff. 3) Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis, dritter Hauptteil (C), I, S. 240. Merkwürdigerweise hat Friedrich II. in die ihm vorgeiegte ältere Urkunde einen Passus eingefügt, aus dem es wie ein leiser Ton des Mitgefühls hervorklingt: »Darüber haben wir gnediglichen angesehen, das sie uns alezeit willig und untertenig sein, und auch ir swachheit und armut, das unser Judischeit fast nederfeilig worden ist.«