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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 2 · p. Seite 158

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 2
Article
Die Kabbalah auf ihrem Höhepunkt und ihre Meister
Date
1905-01-01
Page
Seite 158 (sequence 30)
Language
German
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158 Die Kabbalah auf ihrem Höhepunkt und ihre Meister. ihr das männliche Prinzip als Vertreter der Nachsicht, der vermittelnden Güte und Versöhnlichkeit erscheint Durch Vermittlung von »Vater und Mutter« erzeugt der »Langmütige« aus sich selbst seinen Gegensatz, den »Kurzmiitigen« (1(זעיר אנפין) d. h. das strenge Recht die strafende Gerechtigkeit, welche das Gesetz der Vergeltung durchzuführen bestrebt ist. Ihm steht ein weibliches Prinzip zur Seite (זעיר ונוקביה), dessen Bestimmung jedoch nicht klar erscheint. Jedenfalls modifiziert sich der Kurzmütige, sobald er sich mit einem höheren, ihm übergeordneten Element vereinigt, zur Barmherzigkeit (רחמים), durch welche der Bestand und der Erfolg der Schöpfung verbürgt wird. Mit der Differenzierung von »Vater und Mutter« beginnen die Schöpfungsideen sich zu personifizieren, es entstehen die Personifikationen, Parzufim (פרצופים); — ein verschwommener, sehr unklarer Begriff. Man scheint darunter personifizierte Ideale zu verstehen, von denen ein Teil männlichen Charakter, ein anderer Teil weiblichen Charakter zeigt, welche mit ihren Kräften den ganzen Kosmos beherrschen, und in denen sämtliche zehn Sephiroth sich wirksam erweisen. Vom »Vater« geht als männliche Personifikation »Ur-Israel« aus (פרצוף ישראל סבא) von der »Mutter« die weibliche Personifikation, die »Einsicht« (פרצוף תבונה), an die sich die Personifikation »Leah« (פרצוף לאה) anschliesst; die letztere steht auch mit dem »Kurzmütigen« in Verbindung, von welchem die männliche Personifikation »Jakob« (פרצוף יעקב) und die weibliche »Rahel« (פרצוף רחל) abzweigen. זעיר אנפין (ג ist der direkte Gegensatz zu אריך .;אריך אנפין אגפי ן bedeutet nicht etwa das «lange Gesicht», sondern ist nichts anderes als die chaldäische Übertragung des ארך אפים »der Langmütige», der viel Nachsicht übt; demnach bedeutet [זעיר אנפי nicht das »kurze Gesicht«, sondern, wenn man das Wort bilden darf: der »Kurzmütige«, der keine Nachsicht übt.

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