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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1905-01-01 · Heft 2 · p. Seite 156

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
49 (1905)
Issue
Heft 2
Article
Die Kabbalah auf ihrem Höhepunkt und ihre Meister
Date
1905-01-01
Page
Seite 156 (sequence 28)
Language
German
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156 Die Kabbalah auf ihrem Höhepunkt und ihre Meister. wir nicht einmal das Recht haben, ihn mit einem Namen zu bezeichnen; als einzigeBezeichnung erscheint nur אין סוף »der Unendliche«, der nach keiner Seite hin Begrenzte, allenfalls zulässig. Wohin jedoch das menschliche Denken «eine ahnende Welle hintreiben kann, das ist der Wille Gottes, die in ihm ruhende Schöpferkraft. Wenn auch die Kabbalah beständig von Gott spricht, so will sie doch stets darunter nichts anderes als den göttlichen Willen oder eine vom göttlichen Willen ausströmende Potenz verstanden wissen. Was ist nun der göttliche Wille, der nicht Gott selbst und dennoch mit ihm und in ihm eins und ungeteilt sein soll? Im Sinne Lurja’s wird erklärt: Der Wille Gottes ist die Gesamtheit der in Gott ruhenden Ideen .(עולם הטחשבה> Gott, der alles Dasein ist und alles Daseiende in sich befasst, hat, um der Weltidee eine schöpferische Entfaltung zu gewähren, sich in sich selbst zusammengezogen und damit gleichsam einen Raum leer gemacht und frei gegeben, in welchem die Ideen ein eigenes selbständiges Dasein entwickeln und betätigen können. Das ist die Lehre vom Zimzum (צמצום), von Gottes Selbstkonzentration, um welche Lurja die Kabbalah bereichert, ohne dass wir genau nachweisen können, woher er diesen neu eingeführten Gedanken geschöpft hat1). Der Gedanke selbst ergibt zwar eine durchaus räumliche und körperliche Vorstellung, aber eine 9 Der Gedanke des Zimzum ist wohl (ebenso, wie das meiste in der Lehre Lurja’s, obwohl es manchmal sehr auffällt) aus dem Midrasch hergenommen, und zwar aus Schemoth rabbah cap. 34,1 : ולא עוד אלא שארד ואצמצם שכינתי בתוך אמה אל אמה, Pesikta di-Rab Kahana Nr. 6, 62a: דאני יורד שם ומצמצם שכינתי ביניהם למטה. Bei dieser Gelegenheit nehme ich Anlass, ein unliebsames Ver» sehen, in der »Geschichte der Entwicklung der Kabbalah usw.« (Winter und Wünsche, Die jüdische Literatur III., S. 283; Sonderabdruck S. 65) zu berichtigen, wo der Zimzum infolge eines Missgeschickes fälschlich dem Mose Korduero zugeschrieben ist, während er zu Isaak Lurja gehört.

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