Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Kabbalah auf ihrem Höhepunkt und ihre Meister
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 27)
- Language
- German
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Die Kabbalah auf ihrem Höhepunkt und ihre Meister. 155 ein schwerer, heiliger Ernst auf jedem Worte lagerte, wird die Gestaltung der Welt im Symbol der äusseren Organe des menschlichen Körpers entwickelt; den schöpferischen Prinzipien werden dabei die wunderlichsten, voll und bedeutsam klingenden Namen beigelegt und dieselben darnach differenziert. Auf die Idras, diesen besonders dunklen Grund, hat Lurja sein System gestellt. Während man bis dahin in der jüdischen Literatur mit grosser Vorliebe den Menschen als einen Mikrokosmos zu betrachten pflegte, hat er daraufhin den Gedanken umgedreht und die Welt als einen Makroanthropos d. h. »einen Menschen im Grossen« erklärt, wobei er alle Gegensätze, die übernatürlichen wie die natürlichen, auf das männliche und weibliche Prinzip zurückführt, die nach gegenseitiger Vereinigung streben und in der erreichten Vereinigung die Annäherung zur Einheit der Welt mit Gott immer mehr fördern und bewirken. Von diesem Gesichtspunkt aus verwandelt er einerseits die seltsamen Bezeichnungen der Idras, wie Urmensch, der Alte der Tage, der Langmütige, Vater und Mutter, derKurzmütige (=Unnachsichtliche) usw. in verschiedene Stufen und Phasen des schaffenden Prinzips, und gewinnt andererseits eine grössere Reihe von Mittelgliedern, um die Kluft zwischen Gott und Welt auszufüllen oder vielmehr die göttliche und unendliche Kraft allmählich zu einer endlichen, materiellen Welt hinüber zu leiten. VI. Es ist ein Axiom der Kabbalah, Gott selbst aus jeglicher Betrachtung und Spekulation auszuscheiden. Gott ist in seiner Ewigkeit, Heiligkeit und Unermesslichkeit, wie er alles Dasein in sich aufnimmt und ausfüllt, so erhaben über jede dem Menschen mögliche Vorstellung, dass er auch dem Denken unnahbar bleibt. Er ist in seiner Einheit und Vollkommenheit so ganz und gar unbegreiflich, dass