Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Kabbalah auf ihrem Höhepunkt und ihre Meister
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 26)
- Language
- German
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!54 Die Kabbalah auf ihrem Höhepunkt und ihre Meister. späteren Herausgeber gefolgt sind, mögen dies verschuldet haben, da sie, ohne sich hierüber irgendwie zu äussern, entweder ihre handschriftlichen Unterlagen kritiklos nachgedruckt haben oder bei der Einordnung der heterogenen Stücke sich von äusseriichen Motiven leiten Hessen. Die wichtigsten und wesentlichen Bestandteile sind die drei folgenden Partien: 1. Der eigentliche Sohar, מדוש דד שמעון בן יוחאי, zeigt haggadischen Typus, er begleitet den Wortlaut der fünf Bücher Mose’s mit einem erbaulichen, zumeist aus der Haggadah geschöpften, mystisch zugestutzten Kommentar. 2. Der »treue Hirt« רעיא מהימנא (pastor fido) beschäftigt sich mit der Halachah, indem er sie mystisch ausdeutet. Etwa nach der Analogie des Maimunischen ספר המצית zählt er die 613 Gebote und Verbote der jüdischen Religion auf, zieht auch das Sittengesetz hinein und stellt als erstes Moralprinzip die »Furcht Gottes« auf, so dass von da ab die Sittenbücher des Judentums von diesem ethischen Grundsätze ausgehen, während bis dahin, wie z. B. in dem Moralbuch ספר הישר von Serachjah ha־Jewani, »die Liebe Gottes« als oberstes Moralprinzip in den Vordergrund gestellt wurde. 3. Die Idras, drei zusammengehörige Abhandlungen von einer Dunkelheit und Rätselhaftigkeit, die jeder Erklärung spottet: a) Die grosse Idra אדרא רבא, d. h. die grosse Versammlung oder Sitzung, in welcher Simeon ben Jochai seine auserwählten Jünger um sich sammelt und sich mit ihnen über die höchsten Probleme der Theosophie unterredet; b) Die kleine Idra אדרא זוטא d, h. die kleine Sitzung, welche Simeon ben Jochai zu demselben Zweck unmittelbar vor seinem Tode abhält; c) Das Buch des Geheimnisses ספרא דצניעותא, ein freier, summarischer Abriss der beiden Idras mit Anlehnung an die ersten Verse der Genesis, ln diesen drei Abhandlungen, in denen man fast eine Persiflage der Mystik argv/öhnen könnte, wenn nicht