Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1904)
- Article
- Eine Zeitungsente aus dem Jahre 1790 und ihre Folgen
- Date
- 1904-11-01
- Page
- Seite 748 (sequence 18)
- Language
- German
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748 Eine Zeitungsente aus dem Jahre 1790 und ihre Folgen. mehr, als was in jener Zeitungsnotiz gestanden. Die Grenz־ posten sahen mit Bangen den ersten Grenzpassanten ent־ gegen, die authentische Mitteilungen über den unheimliehen Gast aus dem Osten bringen könnten. Am 28. November traf als erster Böhme ein Hopfenhändler auf der oberpfälzischen Zollstätte Waldmünchen ein. Er wurde sofort angehalten und nach seinen Kenntnissen von der Pest befragt. Der Böhme, der 10 Stunden hinter Prag beheimatet war, wusste, dass in einem Dorfe einige Blatternkranke im August vorhanden waren. Was die Juden in Prag betreffe, so habe er gehört, dass schon im Oktober viele einer Krankheit anheimgefallen seien, die 1—3 Wochen anhalte. Viele wären daran gestorben. Die von der Krankheit Ergriffenen litten an Mattheit und Fieberanfällen. Auch Christen seien bereits in Mitleidenschaft gezogen und gestorben, doch nicht in der grossen Anzahl, wie die Juden. Die Epidemie sei auch schon auf die Ortschäften in der nach Leitmeritz gelegenen Umgebung Prags übergesprungen. Die Höchstzahl der in Prag täglich Verstorbenen sei aber nur 6—7. Dies alles wisse er aber nicht aus eigener Erfahrung, sondern nur durch Hörensagen. Sicher falsch sei das ausgesprengte Gerücht, die Judenstadt in Prag sei einer Pest wegen gesperrt. Kein Ort in Böhmen sei abgesperrt, der Handel im ganzen Lande gehe uneingeschränkt weiter. Diese Aussagen wurden zu Protokoll genommen, der Mann aber in vorläufigem Gewahrsam gehalten; an die oberpfälzische Regierung zu Amberg wurde Bericht erstattet. Diese hatte unterdessen am 27. Nov. die Nachricht erhalten, dass vor einigen Tagen ein Mann aus Neu-Benatek, in Böhmen, in Amberg angekommen sei, der auf seiner Reise hieher am 20. d. Mts. Prag passirt und dort übernachtet habe. Man vernahm ihn sofort (27. November). Er sagte aus: Er habe über eine grassierende Krankheit auch nicht das Geringste gehört. Die Juden in Prag hätten wie