Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1904)
- Article
- Eine Zeitungsente aus dem Jahre 1790 und ihre Folgen
- Date
- 1904-11-01
- Page
- Seite 749 (sequence 19)
- Language
- German
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Eine Zeitungsente aus dem Jahre 1790 und ihre Folgen. 749* jeden Tag auf ihren bestimmten Marktplätzen ihre Waren feilgehalten und ungestörten Handel getrieben. Dieses sei am 20. November geschehen, die Zeitungsnachricht vom 22. war also sicher gefälscht In 2 Tagen könne überdies keine Nachricht von Prag nach Frankfurt gelangen. So häuften sich von fast allen Grenzämtern die dementierenden Nachrichten. Zahllose Beschwerden über die Grenzbelästigungen durch die Zollämter gingen nach München und Amberg. Am 28. November war auch der von Prag nach Schwandorf fahrende Postwagen an der Grenzstation Waldmünchen angehalten und trotz der jede Pestgefahr leugnenden Aussagen des Kondukteurs, der sogar seine Worte beeidigte, an der Weiterfahrt gehindert worden. Dieses Ereignis veranlasste das K. K. Landesgubernium von Böhmen, an die bayerische Oberlandesregierung in Mün־ chen die offizielle Nachricht, d. d. 2. Dezember 1790, kommen zu lasser!, dass alle in auswärtigen Zeitungen verbreiteten Gerüchte über den Ausbruch einer Pest in der Prager Judenstadt »ganz erdichtet und grundlos« seien. Eine dahingehende öffentliche Kundgebung erfolgte gleichzeitig in der Prager Zeitung. So enthüllte sich die Zeitungsnotiz, die eine Woche lang einen grossen Teil Bayerns in ungeheurem Schrecken erhalten und beinahe für die bayerische Judenschaft schlimme Folgen heraufbeschworen hatte, als das, was sie war: als eine Zeitungsente. Am 3. Dezember bereits hob die Amberger Regierung die Grenzsperre völlig auf, unter Aufrechterhaltung einiger prophylaktischer Vorsichtsmassregeln, und die höchste Stelle bestätigte diese Anordnung durch Resolution vom 14. desselben Monats. Wenn wir zum Schluss nun noch die Frage auf״ werfen, ob nicht doch eine bestimmte Tatsache einen gewissen Anstoss zu dem Gerücht gegeben hat, so dürfte die oben erwähnte eidliche Aussage des Prager Postkut- ץ .1 :■ 1 t: