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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-11-01 · Heft 11-12 (November 1904) · p. Seite 650

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 11-12 (November 1904)
Article
Das Weimarer Judengesetz von 1823
Date
1904-11-01
Page
Seite 650 (sequence 10)
Language
German
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650 Das Weimarer Judengesetz von 1823. Juden vertrieben worden aus ihrer Heimat, fern von den Wundern ihres Gottes hätten sie zerstreut unter den Völkern der Erde gelebt. Seit dieser Zeit hätten sie meistens nur Schmach und Jammer erduldet und immer sei ihr Zustand unsicher gewesen und ungewiss. »Im Mittelalter wären dennoch grosse Gelehrte aus ihnen hervorgegangen, und als die gesellschaftlichen Verhälinisse fast überall aufgelöst zu seyn geschienen, da hätten sie durch ihren Handel die Länder in Verbindung gesetzt und wohltätig auf die Welt gewirkt. Aber zugleich hätten sie die grässlichsten und schauderhaftesten Verfolgungen erduldet, und unter Blut und Jammer sei ihre Zeit verlaufen. Ihr Reichtum habe die Raublust gelockt, und der Wahn, das Blut des Heilands über sie zu bringen, und an ihnen zu rächen, das menschliche Gefühl betäubt. Und wenn in neuern Zeiten auch die schändlichsten Misshandlungen nachgelassen hätten, so hätten doch Spott und Hohn, Neckerei und Verachtung niemals gefehlt. »In der That, wer dieses Alles überdenke, der werde sich nicht wundern, dass der Jude dem Christen feindselig gegenüber stehe, dass er ihn zu hintergehen, zu überlisten, zu betrügen suche, und sich auf diese Weise zu rächen strebe, auf welche er sich allein rächen könne. Geld und Gewinn müsse ihm alles sein, weil man nichts an ihm beachte, als Geld und Gewinn. »Die Koptischen Christen in Ägypten, die Armenischen Christen, selbst die Griechen möchten beweisen, dass die Religion nicht schütze, und dass gleiche Ursachen gleiche Wirkungen hätten. »Dagegen könne auch der Jude in andern Ländern, in England, in Amerika, in Frankreich zeigen, wie weit und wie schnell er gebessert werden möge. In ganz Frankreich genössen sie volle Freiheit des Bürgerrechts, nur hinsichtlich der Israeliten im Eisass habe man sich zu Rückschritten aus dem Grunde genötigt gesehen, weil sie

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