Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1904)
- Article
- Das Weimarer Judengesetz von 1823
- Date
- 1904-11-01
- Page
- Seite 649 (sequence 9)
- Language
- German
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Das Weimarer Judengesetz von 1823. 649 In der Natur des jüdischen Menschen könne mithin der Grund jener Schlechtigkeit nicht liegen. Er müsse also liegen in ihren gesellschaftlichen Verhältnissen, und zwar entweder in ihren gesellschaftlichen Verhältnissen untereinander, oder in ihren Verhältnissen zu den Christen. »Sehe man auf die Geschichte der Juden, so ergebe sich bald, dass der Grund nicht in ihnen selbst oder, wie man zu sagen pflege, in dem Volke liege, sondern dass er lediglich liege in den Verhältnissen, in welche sie durch die Christen hineingebracht seyen. »Unter wunderbaren Umständen wären sie aus einem Stamme zu einem Volke erwachsen. Das Volk sey geworden und habe bestanden unter den schwierigsten Verhältnissen. Unter denselben hätten sich allerdings bey ihnen Eigentümlichkeiten entwickelt, in welchen sie andern Völkern sehr schroff entgegengestanden. Aber es habe sich auch eine Erhabenheit der Ansichten und Gesinnungen entwickelt, die kaum ihres gleichen finde, eine Tapferkeit, eine Tugend, eine Grösse und ein Heldentum, mit welchem sie vor Niemand zurückzutreten nötig hätten. Ein Volk von Krämern, Schacherern und Wucherern wären sie nicht gewesen; sie hätten Ackerbau und Viehzucht getrieben, und das arme Palästina wäre durch ihren Fleiss auf eine Art angebaut worden, die man kaum begreifen könne. »Zugleich hätten sich unter ihnen so viele erhabene Grundsätze ausgebildet und eine so hohe Religiosität wie bei keinem Volke des Altertums; darum hätten sie auch tiefer auf die Welt eingewirkt, als irgend ein anderes Volk. Selbst der, von welchem wir das Heil der Welt ableiten, sey aus ihrer Mitte hervorgegangen. Und er stehe nicht allein. Eine Reihe von grossen Männern sey ihm vorausgegangen. Und Er habe zurückgewiesen auf diese Männer, zurück auf Moses und die Propheten, und darum wären die heiligen Bücher der Juden auch noch heilige Bücher für uns. Durch ein schreckliches Unglück aber wären die