Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1904)
- Article
- Das Weimarer Judengesetz von 1823
- Date
- 1904-11-01
- Page
- Seite 642 (sequence 2)
- Language
- German
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•642 Das Weimarer Judengesetz von 1823. deren Klasse der Händler an. Selbst der spätere Bankier Elkan war wie aus Goethes Verse: »Der Jude Elkan läuft mit manchem Rest«1) hervorgeht, ursprünglich ein Kleiderjude. Aber wie es für die Achtung spricht, die sich Mitglieder dieser Familie erwarben, dass Goethe entweder auf ihre Bitten oder aus eigener Rücksichtnahme die Worte »der Jude Elkan« in die »der tätige Jude« verwandelte, so kann man auch sagen, ohne dass urkundliche Berichte vorliegen, ■es hatten sich im Weimarischen Lande einige Juden durch Intelligenz und redlichen Handel hervorgetan; ihre Bildung und ihr Vermögen brachten im Verein mit den veränderten Anschauungen der ganzen Zeit die Regierenden zu der Ansicht, dass die Juden eine menschenwürdigere Behänd- Jung verdienten. Trotzdem geschah selbst in den Zeiten der Revolution nichts Definitives. Erst nach der Abschliessung des Deutschen Bundes, als von einer Neuregelung der Verhältnisse der Juden allerorten gesprochen wurde, fasste die Weimarische Regierung, wie sie auch eine der ersten war, die eine förmliche Verfassung, gleichfalls eine Verheissung der deutschen Bundesakte, gab, eine neue Gestaltung der Verhältnisse der Juden ins Auge. Der 1823 den Ständen vorgelegte Gesetzentwurf war schon 1815 vorbereitet; bei seiner Durchberatung wurde als leitender Gedanke ausgesprochen, das Gesetz sollte den Uebergang vgl. in meiner Abhandlung »Goethe und die Juden«, Vorträge und Versuche, Dresden 1888. Seitdem habe ich in den letzten Jahrgängen der A. Z. d. J. eine Anzahl Nachträge erscheinen lassen, die sich hauptsächlich auf die letzterschienenen Bände der Briefe und Tagebücher Goethes beziehen, die zuerst in der grossen Weimarer Goethe- Ausgabe veröffentlicht wurden. p Die Verse finden sich in dem Gedicht, »auf Miedings Tod«. Dort wird das Treiben der Weimarer Gesellschaft zum Zwecke des Liebhabertheaters geschildert und neben dem Theatermeister, den Zimmerleuten auch der Jude genannt, der Stoffe herbeibringt, aus denen die Kostüme gefertigt werden. Die Lesart findet sich nur in den Ausgaben der Gedichte bis 1827. Seitdem ist der Name ver- Schwunden und das Wort »tätige« vor Jude eingesetzt worden.