Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1904)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1904-09-01
- Page
- Seite 629 (sequence 3)
- Language
- German
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Besprechungen. 629 schaftlichen Funktionen des Kahal, deren Existenzberechtigung lediglich in der Hypothese der Verfasserin, liegt, dass die Chewra der Gegenwart sich auf die zur Zeit des Kahal existierenden Zünfte zurückführen lasse. Da jedoch diese Abstammung, selbst wenn sie erwiesen wäre, für das Verständnis der Chewra recht belanglos ist, so wäre wesentlieh zweckdienlicher eine orientierende Einleitung über das zum Verständnis der russisch-jüdischen Arbeiterorganisationen wirklich Erforderliche, nämlich das gegenwärtig in Russland herrschende Gewerbe- und Vereinsrecht, gewesen, über das sich die Verfasserin nur gelegentlich und nicht eben klar ausspricht. Völlig überflüssig jedenfalls ist die dem zweiten Teil der Arbeit vorangeschickte, ausserordentlieh breite, Darstellung der Geschichte des Socialismus in Russland, durch die das eigentliche Thema kaum irgendwie gefördert wird. Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich, wie erwähnt, mit der gewerblichen Chewra in Mohilew. Es ist bekannt, dass es unter den zahlreichen Vereinen innerhalb der russisch-jüdischen Gemeinden auch solche der Berufsgenossen gibt. Diese Vereinigungen sind ausschliesslieh religiöser und philantropischer Natur. Sie bezwecken gemeinsames Gebet oder Studium ihrer Mitglieder, gewähren diesen auch Hilfeleistungen in Fällen der Krankheit und sonstiger Not. Sie umfassen auch bei ihrer durchaus unwirtschaftlichen Natur Arbeitnehmer und -Geber oder besser Meister und Gesellen in gleicher Weise. Wenn sie also auch vielleicht aus alten Zünften abzuleiten sind, so haben sie ihren Charakter jedenfalls völlig geändert. Erst in neuester Zeit haben diese Vereinigungen wieder wirtschaftliche Zwecke zu verfolgen begonnen. Vielfach nämlich sind die Gesellen aus der alten gemeinschaftlichen Chewra ausgetreten und haben sich zu besonderen Vereinigungen zusammengeschlossen. Oft aus rein persönlichen Zerwürfnissen hervorgegangen, führt diese Spaltung dann dazu, dass diese neuen Gesellen-Vereinigungen auch in principiellen Fragen