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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-09-01 · Heft 9-10 (September 1904) · p. Seite 630

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 9-10 (September 1904)
Article
[Rezension]
Date
1904-09-01
Page
Seite 630 (sequence 4)
Language
German
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630 Besprechungen. wie pünktlicher Entlohnung, Lohnerhöhung, Verkürzung des Arbeitstages solidarisch für ihre Interessen eintreten, eventuell selbst durch Strike ihre Forderungen durchzusetzen suchen. In einzelnen Gewerben, die der russischen Handwerks-Gesetzgebung unterstehen, wie in der Damenschneiderei, gelingt es der Gesellen-Chewra staatliche Anerkennung zu erlangen. Da hiermit Beitrittszwang verbunden ist, sind hier die Voraussetzungen für einen Erfolg naturgemäss am günstigsten. In anderen Gewerben wieder, wie bei den Buchdruckern und Gerbern, haben die Gesellenorganisationen mit polizeilicher Unterdrückung zu kämpfen. Mehrfach führt der Zusammenschluss der Gesellen auch zu einer straffen Organisation der Meister; vielfach aber bleiben die Meister völlig isoliert. Dementsprechend sind auch die Erfolge in der Gesellen-Chewra in den einzelnen Gewerbszweigen verschieden. Von erheblichen tatsächlichen Erfolgen weiss aber die Verfasserin, die diesen Organisationen sehr wohlwollend gegenübersteht, kaum zu berichten. In der Tat scheint mir auch die Bedeutung dieser Organisationsformen aus leicht einzusehenden Gründen nicht eben hoch anzuschlagen zu sein. In einer Stadt wie Mohilew mit rein handwerksmässig betriebenem Gewerbe — und auch die von der Verfasserin als kapitalistisch bezeichneten Gewerbe erheben sich kaum über das Niveau des Handwerks — liegen die Gründe für die Not der jüdischen Massen auf ganz anderem Gebiete als in einer Ausbeutung durch den Arbeitgeber. Wie die Verfasserin selbst hervorhebt, führt die Uebervölkerung, die wenigstens für die jüdische Bevölkerung dieser Gegenden zweifellos ist, zu einer starken Ueberfüllung aller den Juden zugänglichen Gewerbe. Ueberdies ist der russische Kleinbauer, der wichtigste Abnehmer dieser lokalen Gewerbe, ein nichts weniger als kaufkräftiger Konsument. So ist die Not der Gesellen und Arbeiter nicht in einer Uebervorteilung durch den Arbeitgeber, sondern der Unergiebigkeit der Wirtschaft begründet. Dagegen ist jede Organisation

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