Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-09-01 · Heft 9-10 (September 1904) · p. Seite 628

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 9-10 (September 1904)
Article
[Rezension]
Date
1904-09-01
Page
Seite 628 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829776-2829785-2885642--33186-2885778
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

628 Besprechungen. matische jüdische Socialpolitik und als deren Voraussetzung eine gründliche Erforschung der socialen Verhältnisse unserer Gemeinschaft in der Gegenwart. Die social-wissenschaftliche Behandlung des gegenwärtigen Judentums wendet sich naturgemäss in erster Linie den Juden Ost-Europas zu. Einmal leben diese, wie auf jedem, so auch auf wirtschaftlichem Gebiete in viel grösserer Selbständigkeit und Abgeschlossenheit als die westeuropäischen Juden und sind darum mit ihren gleichsam plastischeren gesellschaftlichen Formationen ein viel leichter zu erfassendes Objekt sociologischer Betrachtung. Vor allem jedoch wendet sich das praktische sociale Interesse fast ausschliesslich ihnen zu, da ja die zu bekämpfende Not im wesentlichen die ihre ist. So haben denn auch die drei zu besprechenden Arbeiten direkt oder indirekt die Verhältnisse der ost-europäischen Juden zum Gegenstand. Frl. Rabinowitsch behandelt in ihrer an erster Stelle genannten Schrift die Organisation des jüdischen Proletariats in Russland. Freilich entspricht der Inhalt der Arbeit nur teilweise diesem ihrem Titel. Ihr erster, grösserer Teil behandelt nicht generell die russisch-jüdischen Arbeiterorganisationen, sondern die einer einzelnen russischen Stadt, die Arbeiter-Chewras — man verzeihe den der Verfasserin entlehnten Plural — von Mohilew. Diese Begrenzung des Themas ist durchaus zu billigen; denn zur Erkenntnis dieser Organisationen lokaler Natur ist die genaue Vorführung eines Einzelfalles wesentlich dienlicher als eine in leeren Allgemeinheiten sich ergehende Gesamtdarstellung. Wie weit freilich die hier geschilderten Verhältnisse typisch sind, Hesse sich erst ersehen, wenn wenigstens noch von einer oder der anderen russischen Stadt eine ähnliche Darstellung geliefert würde. Leider aber enthält die Arbeit auch mancherlei mehr als der Titel verspricht. Zunächst nämlich eine längere Einleitung über die Wirtschafts-Geschichte der Juden in Littauen und Polen und im besonderen über die wirt-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.