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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-09-01 · Heft 9-10 (September 1904) · p. Seite 585

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 9-10 (September 1904)
Article
Die Juden des Mittelalters in ihrer wirtschaftlichen Betätigung
Date
1904-09-01
Page
Seite 585 (sequence 10)
Language
German
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Die Juden des Mittelalters in ihrer wirtschaftl. Betätigung. 585 den entgangenen Vorteil haben, den der Wiederverkauf der Waaren geboten hätte. Die Freunde und Verwandten mögen durch Vorschüsse beteiligt gewesen sein. Es sind neuerdings jüdische Erzählungen veröffentlicht worden1), orientalischen Ursprungs und undatiert, die trotz ihres teilweise märchenhaften Charakters einige recht gut dem Leben abgelauschte Züge enthalten. Da wird der arme Mann vorgeführt, mit zahlreicher Familie belastet, der nichts verdient, weil er den ganzen Tag in der Synagoge verweilt, um zu lernen2). Der wunderbar reich gewordene Fromme (es ist die Geschichte vom Heckpfennig) erwirbt Sklaven, Sklavinnen und Landhäuser, hat Schiffe auf dem Meere und sitzt in der Synagoge auf goldenem Sessel3). Da wird auch von einem jungen Manne erzählt4), der aus dem Elternhause hinaus in die Ferne ziehen will. Der Vater sagte: Nimm hundert Goldstücke und gehe, wohin du willst, aber associiere dich mit niemandem für deinen Handel. Der Sohn ging übers Meer, handelte, gewann viel Geld und wurde sehr reich. Er ging sehr weit und erfuhr von einer Stadt, voll von Kaufleuten. Dort hat er dann bei einem der Häupter der Stadt 10.000 Goldstücke in einer Kiste verschlossen auf ein Jahr in Depot gegeben und ist nach verschiedenen Orten weiter gezogen, um zu handeln; denn das Land war sehr gross. Er kaufte und verkaufte wieder, so gut, dass er in diesem Jahre grosses Gut anhäufte. Der märchenhafte Fortgang der Erzählung zeigt übrigens, dass mit dem Meere nicht das Mittelmeer, sondern der indische Ocean gemeint ist; die Stadt, wo das Depot gemacht wurde, lag nicht in Europa, sondern im Lande der Feueranbeter. Doch kommt darauf nichts an. Die Erzählung zeigt in ג) I. Levy, Un recueil de contes juifs, Revue des etudes Juives B. 33, S. 47 ff. 2) Ibid. nro. 1, S. 50. 3) Ibid. nro. 3, S. 59. 4) Ibid. nro. 2, S. 54 ff.

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