Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-09-01 · Heft 9-10 (September 1904) · p. Seite 584

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 9-10 (September 1904)
Article
Die Juden des Mittelalters in ihrer wirtschaftlichen Betätigung
Date
1904-09-01
Page
Seite 584 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829776-2829785-2885635--33135-2885734
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

584 Die Juden des Mittelalters in ihrer wirtschaftl. Betätigung. Es ist da1) von einem gewissen Rüben die Rede, der in einer nicht zu identificierenden Stadt in der Nähe der deutsch-französischen Grenze lebte. Der kaufte und verkaufte und lieh auf Pfänder »von dem Gelde der Fürsten (?) und von dem seinigen.« Interessante Einblicke in den Geschäftsbetrieb aus etwas späterer Zeit gewährt die Autobiographie des Prämonstratensermönchs Herrmann, der vor seiner Taufe Judas hiess2). In Köln gebürtig, reiste er als junger Mann nach Mainz, wo gerade König Lothar Hof hielt, um Kaufmannsgeschäfte zu treiben; denn, wie er sagt, alle Juden beschäftigen sich mit Handel. Statt nun aber sein Geld in Waaren anzulegen, borgte er es ohne Bürgschaft oder Pfand auf das blosse Wort hin dem Bischof von Münster, dessen Geldmittel wegen langen Aufenthalts am Königshofe erschöpft waren. Nach Hause zurückgekehrt, wurde er von seinen Verwandten und Freunden heftig gescholten, dass er sich keine Sicherheit habe geben lassen, da es sonst Gewohnheit der Juden sei, ein Pfand zu nehmen, das den doppelten Wert des Darlehens habe. Ein viel beschäftigter Mann wie der Bischof könne leicht an die Sache vergessen. Die guten Freunde gaben also Judas den Rat, er möge schleunigst nach Münster reisen und dort so lange bleiben, bis die Schuld zurückgezahlt sei. Das hat er denn auch getan und an die 20 Wochen warten müssen3). Wohl nirgends zeigt sich besser der schon öfters betonte Zusammenhang zwischen Waaren- und Geldhandel. Jedenfalls kam Judas nach Mainz, um Waren einzukaufen. Da sich ihm aber günstige Gelegenheit bot, hat er sein Geld lieber ausgeliehen, zweifellos gegen Zins, denn er musste Ersatz für l) Reg. 149. s) Vgl. über ihn Aronius, in Ztschr. f. d. Gesch. d. Juden in Deutschi. B. 2 S. 215 ff. ¬י) Hermanni opnsc. cap. 2, bei Migne, Patrol. lat. B. 170, S. 807!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.