Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1904)
- Article
- Die Juden des Mittelalters in ihrer wirtschaftlichen Betätigung
- Date
- 1904-09-01
- Page
- Seite 580 (sequence 5)
- Language
- German
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580 Die Juden des Mittelalters in ihrer wirtschaftl. Betätigung. als eigenen Erwerbszweig bot die Karolingerzeit bei dem unter rein naturalwirtschaftlichen Zuständen geringen Bedürfnis nach Bargeld schwerlich genügenden Spielraum; aber auch der Sklavenhandel kann nicht ausschliesslich den Juden Beschäftigung geboten haben. Wo sie ansässig waren, widmeten sie sich nebenher der Pflege ihres Grundbesitzes. Amulo von Lyon spricht von christlichem Gesinde, das den Juden in ihren Häusern und auf den Äckern Dienst leistete1). Grade in der Gegend von Lyon ist später terra Ebreorum urkundlich nachweisbar2), ebenso sehr vielfach bei Macon3). Den Reichtum freilich, der in der Karolingerzeit hervorgehoben wird4), haben die Juden schwerlich durch Ackerbau erworben; es sei denn, dass der Wein, dessen unappetitliche Behandlung ihnen Agobard vorwirft5), aus ihren Weinbergen stammte. Grössere Güter besassen sie wohl nur vereinzelt; aber die völlige Lösung vom Boden, die das Ergebnis der spät mittelalterlichen Entwicklung geworden ist, existierte damals noch nicht; sie bestand auch nicht innerhalb des deutschen Sprachgebiets, gleichgültig ob und an welchen Orten Juden seit alters ansässig waren oder frisch zugewandert sind. Einwandfreie Zeugnisse für die feste Ansässigkeit von Juden in Deutschland liegen eigentlich erst aus den allerletzten Zeiten der Karolinger vor6). Indessen, mit dem 1) Amulo, contra Judeos, cap. 41, Migne Patr. lat. B. 116, S. 170. 2) Collection de documents inedits. Cartulaire de l’abbaye de Savigny ed. A. Bernard, B. 2. (Chartularium Athanacense) S. 555 nro. 7. 994, S. 602 nro. 65. a. 993. 3) Cartulaire de S. Vincent de Macon, ed. Ragut, Macon 1864, S. 37 nro. 46, c. 972, S. 91 nro. 122, 886/927, S. 99, nro. 140. 937/62 etc. 4) Agobard de insol. Jud. c. 4, Migne 104, 74; de iud. superstit. ibid. 97. 5) De insol. Jud. ibid. 73. 6) Die Zeugnisse für die Anwesenheit am kaiserlichen Hoflager zu Aachen, Reg. 71, 79, 97 a, sind nicht dahin zu rechnen, selbst Reg. 118 für Augsburg könnte noch zweifelhaft sein; so bliebe der Wormser Grabstein Reg. 120,900/5, und die Zeugnisse in Reg. 121—125>