Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1904)
- Article
- Nominalismus und Realismus bei den arabischen und jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1904-09-01
- Page
- Seite 572 (sequence 19)
- Language
- German
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572 Nominalismus u. Realismus bei den arab. u. jtid. Religionsphil. Gleichheit und der Gegensatz zweier entgegengesetzter Dinge nur durch einen Begriff da sei. Man erkennt in dieser Behauptung die fünf obersten Kategorien Platons wieder, Sein, Bewegung, Ruhe, Identität und Anderssein, und nur durch einen Vergleich mit Plato wird die Behauptung Muammars verständlich1)! Ferner behauptete Muammar, dass in jeder Gattung die Accidenzen endlos seien und dass jedes Accidenz, das in einem Träger ist, in ihm nur sein Bestehen habe durch einen Begriff, der das Be-. stehen notwendig mache. Diese Ansicht, bemerkt Schahr., führt zu einer unendlichen Reihe, und wegen dieser Ansicht wurde Muammar und seine Anhänger Ideenfreunde genannt2). Die Behauptung von der Unendlichkeit der Accidenzen in jeder Gattung wird nur verständlich durch den bereits angeführten Satz Platos, dass in jeder Gattung vieles Seiende, Unzähliges aber nicht Seiendes sei3). Auch die Bezeichnung Ideenfreunde ist Bloss eine Uebersetzung von ׳roü? t&v siSöv <pft.ous (Soph. 148). Schliesslich die Anmerkung Schahr/s, dass man gegen die Lehre Muammars den Einwand von einem regressus in — infinitum erhoben, führt uns zu Abu Haschim zurück und beweist, dass es sich im Wesentlichen um eine und dieselbe Anschauung handelt und dass beide aus einer Quelle geschöpft haben. Gleichwohl überzeugt man sich, wenn man die Darstellung, die S. von den Ansichten Muammars gibt, mit seiner Darstellung der Chal-Theorie Abu Hasim’s vergleicht, dass er sich dessen gar nichtbewusst ist, dass man es bei Beiden mit dergleichen Anschauungzu tun habe. Es ist hier wiederum zu ersehen, wie vorsichtig man mit den Be- 1) Vgl. Schahr. S. 46 und Soph. S. 255: gv s>ca0T0v s^spov slvat T03v aXXcöv ou Sta ty}v auT0u Quciv, vXKol Sta, t6 u.zxiysw 77׳); iSsa? T7fc 'd’OCTSpOU. 2) Sahr. das. 3) Vgl. oben S. 569 Anm. 2. Zum Ganzen sei bemerkt, dass wir auf die Abhängigkeit Muammars vom Soph. bereits anderwärts hingewiesen haben, vgl. die Psychologie bei den jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters von Saadia bis Maimuni. S. 94, Anm. 34.