Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1904)
- Article
- Nominalismus und Realismus bei den arabischen und jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1904-09-01
- Page
- Seite 561 (sequence 8)
- Language
- German
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Nominalismus u. Realismus bei den arab. u. jiid. Religionsphil. 561 Nachdem nun weder aus der Darstellung Schahr/s noch aus dem, was einige Neuere1) über den Gegenstand gesagt haben, Klarheit zu gewinnen ist, wollen wir unsere Auffassung darlegen. Wir glauben, dass sich die Quelle nachweisen lässt, aus der Abu Haschim geschöpft hat, und dass durch diesen Hinweis alle Schwierigkeiten leicht zu beseitigen sind. Als Quelle für die Ansichten Abu Haschims betrachten wir den Sophisten Plato’s. Die Aufgabe, das Wesen des Sophisten zu bestimmen, nötigt Plato, den Satz des Parmenides anzugreifen, wonach man das Nichtseiende weder denken, noch davon reden könne15). Wenn es Falsches in der Rede und in der Vor- Stellung geben soll, so muss auch, meint Plato, das Nichtseiende in einem gewissen Sinne sein. Der Angriff gegen den Satz des Parmenides führt zu einer Untersuchung über den Begriff des Seienden, wobei sich herausstellt, dass diesem Begriffe nicht weniger Schwierigkeiten und Dunkelheiten anhaften als dem Begriff des Nichtseienden. Nach einer eingehenden Kritik der bedeutendsten Ansichten, welche von den Früheren über das Sein ausgesprochen wurden, entwickelt Plato seine eigene Ansicht. Wir heben aus dem Gedankengange hervor, was mit unserem Gegenstände *) Vgl. Schmölders a. a. O. S. 197, der den Ausdruck Chal mit dem Aristotelischen Xuva|/.s1 Öv vergleicht. Derselben Ansicht ist, wie wir oben gesehen haben, Carra de vaux, der die Zustände in Gott als modi bezeichnet und von ihnen sagt, sie seien ungefähr die Qualitäten in der Potentialität und können nur mit Hypostasen verglichen werden. Wir sehen in diesen Worten selbst einen Wiaerspruch, aber davon abgesehen, ist es nicht wahrscheinlich, dass man eine Potentialität in Gott, die dann von Zeit zu Zeit aktuell wird, angenommen haben soll. Was wird durch eine solche Annahme erreicht? Die Einheit Gottes ist dann doch aufgehoben, und es kommt bloss noch die Veränderung in ihm hinzu. Es wird übrigens auch nicht eine einzige Schwierigkeit durch diese Auffassung beseitigt, und sowohl Schmölders S. 146 wie auch Carra de vaux räumen die ausserordentliehe Dunkelheit der ganzen Theorie ein. 2) S. 237. Monatsschrift, 48. Jahrgang. 36