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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-09-01 · Heft 9-10 (September 1904) · p. Seite 543

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 9-10 (September 1904)
Article
Notwehr nach mosaisch-talmudischem Recht
Date
1904-09-01
Page
Seite 543 (sequence 31)
Language
German
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Notwehr nach mosaisch-talmudischem Recht. 543 So wird gleich im Eingänge der Digesten1) es klar ausgesprochen, dass es ein natürliches Recht des Menschen ist, sich gegen widerrechtliche Angriffe zu verteidigen, dass da, wo die Hilfe des Staates nicht gegenwärtig ist, der Einzelne sich selbst schützen darf, und dass diese Abwehr des Unrechtes kein Unrecht ist, wenn sie sich innerhalb der Schranken und des Masses hält, die ihr nach der ln' dividualität des Angegriffenen durch den Angriff gesetzt sind. — Dass aber die im Falle der Notwehr gegen den Übeltäter anzuwendende Gewalt, wenn sie auch hauptsächlich zum Schutze des widerrechtlich Angegriffenen oder Bedrohten gebraucht wird, zugleich als verdiente Strafe für den Übeltäter angesehen wurde, erhellt aus einer bedeutsamen Stelle des Codex Justiniani2), welche die Überschrift trägt: Quando liceat sine judice unicuique vindicare se vel publicam devotionem. Es heisst daselbst: Liberam resistendi cunctis tribuimus facultatem, ut quicunque militum vel privatorum ad agros nocturnus populator intraverit aut itinera frequentata insidiis adgressionis obsederit, permissa cuicunque licentia dignus ilico supplicio subjugetur ac mortem quam minabatur excipiat et ad quod intendebat incurrat; melius enim est occurrere in tempore quam post exitum vindicare. Hier wird also dem Einzelnen das Recht eingeräumt, ungesäumt den Strafvollzug an dem Schuldigen vorzunehmen, ähnlich wie es nach talmudischem Rechte geschieht. Und auch die talmudische Begründung נידון על שם סופו kommt in den Worten »et id quod intendebat« zum Ausdrucke. Doch nicht blos gegen den nächtlichen Äckerverwüster und Wegelagerer wird das Notwehrrecht bis zur Tötung ף Corp. jur. D. 1, 1 florentinus libro primo institutiontim: |ut vim atque injuriam propulsemus; nam jure hoc evenit, ut quod quisque ob tutelam corporis sui fecerit, jure fecisse existumetur. 2) Corp. jur. c. 3, 27.

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