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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-09-01 · Heft 9-10 (September 1904) · p. Seite 537

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 9-10 (September 1904)
Article
Notwehr nach mosaisch-talmudischem Recht
Date
1904-09-01
Page
Seite 537 (sequence 25)
Language
German
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Notwehr nach mosaisch-talmudischem Recht. 537 aufgeben konnte; aber zur Rettung des Verfolgten hat die h. Schrift dieses strenge Verfahren gegen den Verfolger angeordnet. Mit anderen Worten: Maimonides behauptet, dass die Tötung des Verfolgers nicht eigentlich als Strafe, sondern als Notwehr aufzufassen sei, und dass ihm deshalb, da es sich darum handelt, ein widerrechtlich bedrohtes Menschenleben aus seiner Hand zu retten, mehr Weh zugefügt werden darf, als er einem Andern zugefügt hat1). Ob auf den Wunsch der in unkeuscher oder ehebrecherischer Absicht verfolgten Person der Versuch, sie mit Aufopferung des Lebens ihres Verfolgers oder durch dessen Verwundung zu retten, aufzugeben ist, oder nicht, darüber sind die Gesetzeslehrer nicht einig 2). R. Jehuda will in diesem Falle die Tötung nicht gestatten, weil er von der Ansicht ausgeht, die Thora hätte nur deshalb die Tötung des eine verlobte Jungfrau unsittlich Verfolgenden geboten, weil anzunehmen ist, dass sie den eigenen Tod der Schändung vorziehen würde. Also geschähe die Tötung des Verfolgers dem Grundsätze gemäss: das Leben des Unschuldigen ist durch Vernichtung des Lebens des Angreifers zu retten (הצל את דמה בדמו); wenn sie aber selbst sagt: הניחו לו שלא יהרגנה »Lasset ihn«, und zwar sagt sie es, weil sie fürchtet, er könnte sie sonst, wenn man ihn an der Befriedigung seiner bösen Lust verhindert, im Zorne umbringen, so hat sie damit erklärt, dass sie nicht bereit ist zu sterben, um der Schändung zu entgehen (לא מסרה נפשה לקטלה), und deshalb ist auch das Leben des Verfolgers zu schonen. Die übrigen Tanaim hingegen lassen sich durch folgende Erwägung bestimmen, auch in diesem Falle die Tötung zu gestatten: Die Thora hat die Tötung des Angreifers in dem Falle von נערה מאורסה gestattet und sogar geboten, um die Bedrohte vor Ehrverletzung zu schützen (אפינמא קפיד רחמנא), und diejenige, die nur aus Todesfurcht x) Siehe auch die Erklärung des כסף משנה zur Stelle. 2) Sanhedr. a. a. O.

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