Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 500 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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500 Heinrich Graetz. Ein Lebensbild. der Gegenwart keinen Dank erwartete, sondern auf die Anerkennung einer späteren Zukunft rechnete. Alle sonstigen Nebenbeschäftigungen liess er aus diesem Grunde zurücktreten, er stellte sogar 1888 die Herausgabe der »Monatsschrift« ein, da keiner seiner Schüler damals die Redaktion zu übernehmen geneigt war und ging mit seinem gewohnten Eifer und Ungestüm ans Werk* Um die Resultate seiner langjährigen biblischen Textforderungen in klarer Übersicht zu geben, wollte er einen Abdruck der ganzen hebräischen Bibel mit emendirtem Wortlaut und mit kurzen, die Emendationen des Textes begründenden Anmerkungen veranstalten. 1891 hatte er sämtliche Vorarbeiten hiezu beendet und ging mit dem Druck vor. Wie sehr ihm dieses Lebenswerk am Herzen lag, geht aus dem Prospekt hervor, in dem er sich gegen seine sonstige Gewohnheit mit der Bitte an seine Freunde wandte, sein Bemühen zu unterstützen. »Auf der Neige meines Lebens« — so heisst es daselbst — »habe ich das mühevolle Werk unternommen, die Emendationen des Textes der heiligen Schrift übersichtlich zusammenzustellen, deren Zulässigkeit und Berechtigung nicht nur, sondern auch deren Notwendigkeit der Ihnen gleichzeitig zugehende Prospekt auseinandersetzt.Im ersuche Sie, mein Bemühen zu unterstützen .... damit das von mir übernommene Risiko nicht meine Verhältnisse allzusehr übersteige«. Dieser Prospekt erschien im Juli 1891 und war das letzte, was seine rastlose Feder dem Druck übergab. Wiewohl die vorgerückten Jahre ihm eigentliche Beschwerden nicht verursachten, er sich für gesund hielt und sich jedenfalls durchaus kräftig fühlte, war er dennoch vom Alter, ihm unbewusst, ins Innerste getroffen worden; denn sein Herz war schwer angegriffen und erregte die Besorgnis der Ärzte. Wie alljährlich war er, um kleine körperliche Indispositionen zu beseitigen nach Karlsbad gegangen und hatte vor, von dort einen Abstecher nach München zu machen um den ältesten