Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 498 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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498 Heinrich Graetz. Ein Lebensbild. »Frank und die Frankisten« zu 1868, »Das Königreich Mesena und seine jüdische Bevölkerung« zu 1879. In der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Juden־־ tums, deren Redaktion er, wie bereits angegeben, von 1869 bis Ende 1887 führte, stammt der grösste Teil der darin enthaltenen Autsätze von seiner Feder her. Er verstand es eben merkwürdig, seine Zeit ganz und gar auszukaufen. Jeder Morgen fand ihn schon um fünf Uhr vor seinen Schreibtisch und bis neun Uhr beschäftigte er sich ununterbrochen mit schriftstellerischen Arbeiten; nach neun Uhr pflegte er seine Vorlesungen aufzunehmen. Er unterhielt eine ausgedehnte Korrespondenz, fand für Alles Müsse, und gab sich gern den harmlosen Freuden heiterer Geselligkeit hin. Freilich suchte er erst spät sein Nachtlager auf und bedurfte überhaupt nur wenig Schlaf. Die kerngesunde, fast unbezähmbare Kraft seines Nerven״ Systems gebot über eine körperliche Konstitution, welche die materielle Grundlage für eine aussergewöhnliche Leistungsfähigkeit in vollsten Masse in sich barg. Von Statur mittelgross, die Haltung etwas vornüber geneigt, besass er eine gute Muskulatur, welche fettarm und mager, aber sehnig und von einem starken Knochenbau getragen war. Der Kopf, obschon im Gesicht durch Pockennarben etwas beeinträchtigt, machte einen aparten und bedeutenden Eindruck. Die brettartige Stirne trat kantig herror, über ihr lag nicht gerade dicht, jedoch auch nicht spärlich, weiches kastanienbraunes Haar,’ das später ergraute. Die graubraunen Augen lugten scharf und spähend aus und verrieten Lebensfreude, eine schmalflügelige, scharf und spitz ausgeprägte und nicht eben kleine Nase gab dem ovalen, starkknochigen Gesicht einen charakteristischen, fühlerartig forschenden Ausdruck, um seine Lippen schien es zumeist wie Wehmut zu spielen, zuweilen aber lagerte über denselben eine Wolke von Spott, Ironie und Angriffslust, als wenn jeden Augenblick sarkastische Worte heraussprühen