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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1904) · p. Seite 493

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1904)
Article
Heinrich Graetz
Date
1904-07-01
Page
Seite 493 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Heinrich Graetz. Ein Lebensbild. 493 hauptsächlich konzentrierte, sich mit immer grösserer Freiheit zu bewegen und durch kühne Konjekturen, in deren Auffindung sein nachfühlender Geist unerschöpflich war, den schadhaften Bibeltext, wenn auch nicht gerade auf seine ursprüngliche Gestalt, so doch auf die ursprüngliche Tendenz des Schriftsinnes annähernd zurückzuführen. Wiewohl er sonst stets darauf bedacht war, den Anschluss und die Fühlung mit der Überlieferung zu behalten, und eine destruktive Tendenz ihm überaus fern lag, trieb ihn hierbei sein konstruktiver Eifer so weit fort, dass er schliesslich den Boden des Schriftwortes und der realen Wirklichkeit immer mehr unter sich verlor und seinen Scharfsinn meist in dem blendenden Feuerwerk raketenartig aufblitzender Emendationen versprühen Hess. In dieser Richtung bewegen sich seine exegetischen Studien zum Propheten Jeremiah (Monatsschrift 1883, Jahrg. 32), zu den Salomonischen Sprüchen (Monatsschrift 1884, Jahrg. 33) und der schöne Aufsatz zur Bibelexegese (Monatsschrift 1885, Jahrg. 35). Ja, er ging sogar in seinen letzten Lebensjahren an die Ausführung eines weit ausschauenden, umfassenden Planes, den er schon lange mit sich umhergetragen, und mit dessen Verwirklichung er das Tagewerk seines Lebens als abgeschlossen betrachten wollte: die Textgestalt sämtlicher biblischer Bücher, sollte kritisch gesichtet und restauriert werden. Aber auf diesem Arbeitsfelde leuchtete ihm kein so glücklicher Stern und war ihm kein so glänzender, siegreicher Erfolg beschieden, wie auf historischem Gebiet, wo er bahnbrechend durchgegriffen hatte. Trotzdem dürfen seine exegetischen und kritischen Leistungen in ihrem Wert und ihrer Wirkung nicht etwa unterschätzt werden. Die exegetischen Schriften und Aufsätze sind reich an neuen Gesichtspunkten und interessanten Anregungen, sie haben immerhin für die Bibelkritik zahlreiche Keime fruchtbarer Förderung ausgestreut und für die Entwicklung der Bibelexegese tiefe und bleibende Spuren zurückgelassen.

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