Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 492 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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492 Heinrich Oraetz. Ein Lebensbild. nebst Text und Übersetzung, 2 Bände« folgte. Der Kornmentar ist grossartig angelegt, bietet eine Fülle von Gelehrsamkeit und enthält neben vielem Vortrefflichen doch auch viele abenteuerliche Kombinationen und vage, wenn auch geistreiche Hypothesen. Ein wegen seiner Gelehrsam־ keit, wie wegen seiner Besonnenheit gleich hochgeschätzter Orientalist, Justus Ülshausen, der den alttestamentlichen Text zu linguistischen Zwecken kritisch zu läutern suchte, äusserte sich über den Psalmenkommentar in einem Schreiben an den Verfasser folgendermassen1): »Zwar wird Ihr »kritischer Kommentar wegen der Kühnheit Ihrer Kritik bei »der grossen Zahl der Exegeten grossen Anstoss erregen, »die als Exegeten selber überkühn, aber schwache Kritiker »sind. Für mich hat, wie Sie wissen, die Kühnheit in der »Kritik nichts Erschreckendes, wo sie mit Sprach- und )Sachkenntnis, mit Scharfsinn und vor allem mit gesundem »Menschenverstand verbunden auftritt. Gewiss werde ich »Ihnen nicht in jedem Falle zustimmen können, wo Sie »vielleicht mit allzu grosser Zuversicht das Richtige getroffen »zu haben meinen; allein das hindert mich nicht anzuerken- »neu, dass Ihr Buch durch eine Fülle vortrefflicher Emen- »dationen eine wesentliche Bereicherung der biblischen »Litteratur ist«. Mancher glückliche Griff ist Graetz offenbar gelungen, und es fehlte ihm auch nicht an Zustimmung; im allgemeinen jedoch wurden seine Resultate so entschieden abgelehnt, dass wohl von einer späteren Zeit sicherlich eine Nachprüfung zu erwarten steht, welche den Weizen von der Spreu sondern wird. Er selbst liess sich in seinem exegetischen Vorgehen durch nichts beirren; entschlossen, aller Schwierigkeiten im alttestamentlichen Wortlaut mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln Herr zu werden, glaubte er sich berechtigt, auf dem Gebiet der Textkritik, worauf sich schliesslich seine Auslegung 1j Abgedruckt in Rippners: Zum siebzigsten Geburtstag des Professors Dr. H. Graetz, S. 31.