Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 491 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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491 Heinrich Graetz. Ein Eebensbild. Von Philipp BloetL, Posen. ׳ (Schluss). Zwei Voraussetzungen sind es insonders, von denen er bei seiner Auslegung sich leiten lässt, und welche in seinem ganzen Wesen tief begründet sind. Zunächst neigte er zu der Annahme, dass bei den biblischen Schriften ab lenthalben ein historischer Hintergrund durchschimmern müsse und selbst allgemeine Bezeichnungen und Reflexionen ihren individuellen, tatsächlichen Charakter nicht verleugnen können, der eben herausgehört und erkannt werden muss. Alsdann war er der Ansicht, dass ein Widersinn, eine Unbegreiflichkeit im biblischen Wortlaut nicht durch Verrenkung des Wortes oder Satzes, nicht durch eine weit hergeholte Analogie aus einem entfernten, obschon verwandtschaftlichen Idiom wirklich gelöst werden könne, sondern dass hier der Text zu Schaden gekommen sei und der ursprüngliche Wortlaut durch eine Konjektur aus der Tiefe des Zusammenhangs oder nach einer talmudischen Parallele oder mit Hilfe der alten Übersetzungen konstruier!; und annähernd wieder hergestellt werden müsse; denn daran sei nicht zu zweifeln, dass die Katastrophen und die Jahrhunderte, vielleicht auch die Abschreiber in ihrer U11zulänglichkeit, an der Urgestalt des biblischen Textes, bevor derselbe mit aller Sorgfalt festgelegt werden konnte, gezerrt und gelöscht haben, ja dass selbst noch später allerlei Irrungen mitunterlaufen sein mögen. Nach diesen Grund- Sätzen hat Graetz auch die Psalmen bearbeitet, von denen er 1881 eine deutsche Übersetzung herausgab, worauf dann 1882—1883 ein »kritischer Kommentar zu den Psalmen