Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Aramäische Piutim aus der Genisa
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 420 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829776-2829784-2885480--32956-2885539- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
420 Aramäische Pilitim aus der Oenisa. Vorlesung an diesem Tage bestimmt war, und wir werden in dieser Annahme noch durch folgende Umstände bestärkt: Nach dem sephardischen Ritus wird das sogenannte Friedhofskaddisch sowohl am Vorabend des תשעה באב nach den Trostversen und nach ובא לציון גואל wie auch während des Morgengebetes nach der Beendigung des Achtzehn» gebetes vor dem Thoraausheben gesagt (Vgl. Landshuth, Gebet- und Andachtsbuch. Berlin, 1867. pag, LXL). Auch Abudraham (ed. Warschau pag. 41) kennt diesen Brauch und erwähnt auch die Lesart תתבלי הרבא וכפנא, die sich am Anfänge unseres Stückes findet. Wir hätten in demselben demnach nicht ein »Targum« sondern einen aus dem Kaddisch entstandenen aramäischen Piut zu sehen. Bezüglich der Sprache desselben meint Gaster, sie sei unzweifelhaft palästinisch. Auch darin kann ich ihm nicht beipflichten. Das Vorkommen von Ausdrücken wie 'אי statt pal. עוד ,ארוס st. יחזון ,תוב st.אתיב ,יחמון st. אחזר u. s. w. bildet vielmehr ein untrügliches Zeichen für die Ab» hängigkeit unseres Stückes von Onkelos. Selbstverständlich soll damit nicht gesagt sein, dass dasselbe nicht trotzdem in Palästina entstanden sein kann, es ist sogar höchst wahrscheinlich, aber es muss dies in einer Zeit der Fall gewesen sein, wo Onkelos auch in Palästina das offizielle Targum bildete. Übrigens erkennt man auch sonst aus den sprachlichen Formen des Stückes, dass zur Zeit seiner Abfassung der aramäische Dialekt längst aus dem Gebrauche verschwunden war. Wir dürfen also wohl annehmen, dass der Verfasser nicht vor dem neunten Jahrhundert gelebt hat. Das zweite Stück, das ich nach Versen geordnet ebenfalls hier folgen lasse, gehört zu der Kategorie der sogenannten רשויות, d. h. der Einleitungsgedichte bei Gelegenheit der Targumvorlesung, von denen sich eine ziemlich beträchtliche Anzahl in den Machsorhandschriften findet. Ich selbst habe fast ein halbes Hundert in Parma