Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Aramäische Piutim aus der Genisa
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 419 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Aramäische Piutim aus der Oenisa. 419 Form, die bei uns unmittelbar nach der Beerdigung üblich ist. Das Stück zerfällt in zwei Teile, der erste, der vermutlich unvollständig ist, bildet eine Erweiterung der Textworte: לאחאה מיתייא ולמבני וכר, der zweite eine solche zu den Worten: לשכללא היכלא ולמעקר סולחנא וכר, diese beiden Sätze finden sich im Kaddisch am Friedhofe. Es ist also nicht nötig, sich mit Gaster nur an die Schlussworte zu halten und sich auf den Satz ויצמח פורקניה ויקרב משיחיה zu berufen. Ganz unverständlich ist es nun aber, wenn Gaster weiter sagt: »Dieses »Targum« wurde wahrscheinlich am achten (soll wol heissen: siebenten) Tage Pesach vorgelesen, wo auch der Auszug und die שירה vorgelesen wurden«. Was hat das Kaddisch mit dem Auszug und mit der שירה zu tun? Wie kommt überhaupt das Kaddisch gerade zum Pesach? Die Frage, warum Gaster dieses Targum mit Pesach im Zusammenhang gebracht hat, ist sehr leicht zu beantworten; er liess sich dazu verleiten durch das zweite Stück, welches unzweifelhaft zum Zwecke der Vorlesung an diesem Feste gedichtet worden ist. Man wird jedoch zugeben müssen, dass dieser Umstand noch keineswegs ausschlaggebend ist. in der Tat ist dieses Stück nicht für das Pesachfest verfasst worden. Wir hätten uns demnach aufs neue die Frage vorzulegen: Zu welchem Zwecke ist dieses »Targum« verfasst worden? Um diese Frage richtig beantworten zu können, müssen wir zunächst wiederum auf den Inhalt verweisen. Wir haben bereits oben gesehen, dass im ersten Teile von der Wiederbelebung der Toten und hauptsächlich von der Wiedererbauung Jerusalems sowie von dessen zukünftigem Glanze und Herrlichkeit die Rede ist. Nun aber wissen wir ferner, dass solche Trostesverheissungen gerade an dem Tage gelesen zu werden pflegten, der an die Eroberung der heiligen Stadt und an die Zerstörung des Tempels erinnerte, nämlich am neunten Ab. Wir sind also zu der Annahme berechtigt, dass auch unser Targum zur 27*