Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Die Paulinische Lehre vom Gesetz
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 414 (sequence 15)
- Language
- German
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414 Die Paulinische Lehre vom Gesetz. dem unheilvollen nächsten Zweck des Gesetzes (»um der Uebertretungen willen«) wird uns nun vielleicht denn doch nicht mehr so gar arg »verblüffen«. Was — nach jener dichterischen Ausschmückung einer biblischen Erzählung1) — Moses zögern machte, den Söhnen Israels die Gesetzestafeln zu überbringennämlich die Furcht, dass er ihnen damit, kraft der unvermeidlichen Übertretungen, die Verschuldung und den Tod bringen könnte: das sollte das Gesetz, nach dem Apostel, gerade bewirken. Gewiss, es ist von dem einem zum anderen — formell und sachlich ״ noch ein grosser weiter Schritt, den Niemand sonst, als er, Paulus, vollzogen hat und vollziehen konnte. Doch haben wir es vielleicht auch bei ihm am Ende bloss mit einem Auf-die-Spitze-Treiben eines mit Leidenschaft erfasslen und, wie wir ja wissen, fast eben so leidenschaftlich auch bekämpften Grundgedankens zu tun. Auch die Vorstellung von einem »Joche des Gesetzes« wird uns nun nicht mehr so ganz fremdartig anmuten. Unbekannt war dieselbe dem palästinischen Judentum, auch dem offiziellen, wie wir gesehen haben, keineswegs. In Form der Empfindung mag dieselbe wohl auch in alexanseiner Umschlingung, und je schroffer der Dualismus Philos ist, desto nachdrücklicher wird diese Forderung für das praktische Verhalten gestellt“. Dann kann aber eben der Dualismus Paulus’ mit dem Philos nicht in eine Reihe gestellt werden und fehlt es für den letzteren auch ganz und gar an der Notwendigkeit ״das Fleisch und damit die Sünde selbst prinzipiell zu ertöten und zu vernichten“. — Merkwürdigerweise will Renan (Histoire du peuple d’Israel, V, S. 357 f.) auch das paulinische Dogma von der Gnade bei Philo wiederfinden. Denn, meint R., ״Le bien vient tout entier de Dieu; le mal vient de la matiere ou des puissances inferieurs . . . Tout bien doit donc etre rapporte a Dieu“ (Leg, all. I 60; I 131). Man sieht, wie wenig eins mit dem andern zu tun hat. Übrigens schliesst R. selbst wie folgt: ״Saint Paul a-t-il lu ces passages? Nous sommes loin de le soutenir!“ *) In Aboth di R. Nathan C. II (oben S. 37 ff.; s. das. auch die weitere Ausführung, auf Grund dieser und noch einiger Stellen ähnlichen Inhaltes).