Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Die Paulinische Lehre vom Gesetz
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 413 (sequence 14)
- Language
- German
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Die Paulinische Lehre vom Gesetz. 413 allerdings derart enthalten, dass die Vermutung einer direkten Ableitung (nämlich von dem, was laut diesen Traditionen zur Zeit des Apostels in pharisäisch-jüdischen Kreisen teilweise allenfalls geglaubt und gelehrt wurde,) wohl als eine vollberechtigte angesehen werden kann. Was den anderen Hauptteil der paulinischen Lehre betrifft, nämlich die Doctrin von der Unerfüllbarkeit des Gesetzes und der damit gegebenen völligen Unmöglichkeit eines Gerechtwerdens aus demselben — vorzüglich vermöge des natürlichen Verhältnisses zwischen dem Gesetz und dem menschlichen »Fleische« --- mitsamt allen weiteren schlimmen Folgen dieses Tatbestandes, so ist es uns auch hier gelungen, auf Ansätze ähnlicher Erwägungen (und Erfahrungen) bei den Rabbinen hinzuweisen, ferner, einesteils durch die Identification der »Sünde« (und des »Fleisches«) mit dem »bösen Triebe«, andernteils durch das Zurückführen des Unterschiedes zwischen »lebendiger« und »toter« Sünde auf den der »bewussten« und »unbewussten« Sünde (im Alten Testament und bei den Rabbinen), die Grundlage zu einem besseren Verständniss der oft so widerhaarigen und widerspruchsvollen Aufstellungen des Apostels zu gewinnen1). Ja selbst die Behauptung von L) Während wir uns anderweitig — bei Philo — vergeblich nach einer solchen umtaten. S. oben S. 27, wonach hier die Übereinstimmung zwischen Paulus nud dem Philosophen im ganzen nur darin besteht, dass auch Letzterer die Sünden und das Böse von der Leiblichkeit und Sinnlichkeit herkonunen lässt und die Macht dieser letzteren (aber beileibe nicht die Übermacht!) anerkennt. — »Das Fleisch«, so sagt Ziegler (a. a. O. II2 S. 78) ״zunächst nichts anderes als die physische Leiblichkeit des Menschen, wird von dem mit Philo und seinem Dualismus nicht unbekannten Paulus als Prinzip des Bösen, als Sitz der Sünde, im Menschen gefasst. Im Tod Christi ist nun das Fleisch und damit die Sünde selbst prinzipiell ertötet und vernichtet“. Allein, was sich für Philo aus diesem Dualismus ergibt, das ist nach Zieglers eigenen Worten (früher S. 48) nur die sittliche Aufgabe der Loslösung und Befreiung der Seele vom Körper und