Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Die Paulinische Lehre vom Gesetz
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 412 (sequence 13)
- Language
- German
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412 Die Paulinische Lehre vom Gesetz. Nun denn, wir haben bereits wiederholt darauf hin־ gewiesen: keine alexandrinische Quelle, Philo nicht ausgenommen, weiss etwas von einem Glauben, als Heilsweg, genauer als selbstständigen und zureichenden Grund und Weg zur Gerechtigkeit und Seligkeit -- und ebensowenig auch von einem Ende des Gesetzes in Christo, d. h. in dem Messias. Dagegen sind diese beiden Prämissen der paulinischen Konklusion in dem traditionellen Schrifttum (der ältesten Zeit), wie wir gesehen haben, Bedeutung auch für des Apostels Lehre vom Gesetz« beizulegen ist, wie Grafe meint, dürfte wohl noch die Frage sein. Wir unsrerseits hatten oben nirgends einen besondern Grund, uns mit demselben eingehender zu befassen (S. vielmehr S. 20 u. 25). Grafe sagt, ganz besonders zur Erklärung von Röm. 3, 20. 21; Gal. 5, 4: ״Im wesentliehen werden diejenigen recht behalten, welche mit Holsten u. a. die eigentümliche Ansicht des Apostels aus seiner Reflexion auf die Tatsache des Kreuzestodes erklären. Wie die meisten seiner Volksgenossen hatte auch Paulus anfangs den Tod Jesu für den eines Verbrechers gehalten und hierin den Beweis der Nichtigkeit seiner Messiasaussprüche gesehen. Nachdem ihm aber in seiner Bekehrung durch die Erscheinung des Auferstandenen Jesus als der Messias beglaubigt worden war, musste ihm selbstverständlich auch der Kreuzestod des Messias als göttliche Heilsabsicht erscheinen. Und dann konnte, so schliesst der Apostel weiter, der Kreuzestod gar keinen andern Zweck haben, als die Eröffnung eines ganz neuen Heilsweges. War aber dies der Fall, so konnte nicht zugleich das Gesetz einen Heilsweg darstellen. Wäre das Gesetz imstande gewesen, den Menschen Gerechtigkeit zu bringen, so wäre — wie Paulus sich auf andere Weise ausdrückt — Christus umsonst gestorben, Gal. 2, 21.« Allein, Paulus sagt ja nicht: so wäre Christus umsonst auf dem Kreuze gestorben! — Nein, nicht durch den Kreuzestod, als solchen, wurde nach dem Apostel der Zweck der Eröffnung eines ganz neuen Heilsweges — mit Ausschluss des Gesetzes, als eines (anderen) Heils״ weges — erreicht, sondern durch den Tod und die Auferweckung überhaupt, wodurch Jesus als derjenige beglaubigt ward, mit dem das Gesetz sein Ende erreicht hat, nämlich als der erwartete und legitime Messias. Übrigens muss ja Grafe selbst zugeben, dass »dieser Schluss des Apostels nur hier (Gal. 2, 21) in seinen Briefen mit solcher Klarheit und Schärfe ausgesprochen wird«־.