Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Die Paulinische Lehre vom Gesetz
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 411 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2829132-2829776-2829784-2885479--32946-2885530- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Paulinische Lehre vom Gesetz. 411 Ergebniss. Wir glauben kein wichtigeres Moment der Lehre des Apostels übersehen oder in anderer Weise ausser acht und — unserer Aufgabe gemäss — unerörtert gelassen zu haben. Es erübrigt uns daher nur noch, die gewonnenen wichtigeren Resultate, zugleich mit einem flüchtigen Rückblick auf den Gang unserer Untersuchung, hier noch einmal kurz zusammenzufassen. Ob Paulus selbst ursprünglich von der Erfahrung, dass das Gesetz nicht zu rechtfertigen vermag und von der weiteren Speculation über die Ursachen und letzten Gründe dieser für ihn feststehenden Tatsache ausgegangen und erst von hier aus zu der Idee einer Rechtfertigung aus dem Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen Christus Jesus gelangt sei, oder umgekehrt: darüber lässt sich streiten. Im letzteren Falle nämlich würde der Apostel erst nachdem der Gedanke einer solchen Rechtfertigung in ihm entstanden war und sich festgesetzt hatte — und von hier aus — zu dem weiteren Gedanken einer ausschliesslichen Rechtfertigung aus und in diesem Glauben und endlich gar, mit Hülfe der Spekulation über das Verhältniss des Gesetzes zur Sünde und zum »Fleische«, zu der extremen Ansicht überdas Gesetz und den Gesetzesweg, die man kennt, fortgeschritten sein. Und bedenkt man, dass es dem ganzen künstlichen Gebäude, welches man sich die paulinische Lehre vom Gesetz zu nennen gewöhnt hat, ausser und ohne diesen Gedanken von dem neuen Heilsweg an einem eigentlichen Fundamente (oder Abschlüsse?) der Lehre, als solcher, aber an jedem positiven Kern fehlen würde, so möchte man thatsächlich eher dieser letzteren Auffassung den Vorzug geben1). *) Auch Grafe (a. a. O., S. 13 ff.) scheint sie zu teilen. Ob aber auch speziell dem Kreuzestode Christi eine so »fundamentale