Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Die Paulinische Lehre vom Gesetz
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 408 (sequence 9)
- Language
- German
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408 Die Paulinische Lehre vom Gesetz. denn er tat Alles für den Herrn, und sprach: »Gepriesen sei der Herr Tag für Tag« (Ps. 68, 20)1). Ob Rom» 14, 14: »Ich weiss und bin es fest überzeugt in dem Herrn Jesus, dass nichts an sich selber unrein ist usw.«, eine Anspielung auf ein Herrnwort enthält, ist fraglich2). Ganz originell und echt paulinisch dagegen ist I. Cor. 10, 25. 26: »Esset alles, was auf dem Markte verkauft wird, ohne nachzuforschen, Gewissens wegen. »»Die Erde und ihre Fülle ist des Herrn«« (Ps. 24, ll)3). Während aber Paulus so das »Essen« vollständig freigibt, ja auch den Genuss des »Opferfleisches« (von Götzenopfern) nur für den Fall verpönt, wenn dadurch der Gewissensrichterei Vorschub geleistet oder sonst in irgend einer Weise Anstoss erregt wird (das. V. 27 ff.; vgl. 8, 4 ff.), hat er diesbezüglich einmal doch auch stren- 0 Beza 16a: תגיא אמרו עליו על שמאי הזר!! כל ימיו היה אוכל לכבוד שבת . . . אבל דלל הזק! מדד, אחרת היתד, לו שכל מעשיו לשם שמים שאמר ברוך ד׳ יום יום. Die Worte שכל מעשיו לש״ש sind nicht ganz gesichert; s. das gleich darauf folgende: תנ״ה ב״ש אומרי, מחד שביך לשבתיך וב״ה או, ברוך ה׳ יום יום.. 2) S. Lipsius z. St. (a, a. O. S. 189): »,Ev yjjpüp ’S7]<70u, vermöge meiner in der Gemeinschaft des Herrn gewonnenen Ein־ sicht«. Nach L. wäre hier übrigens überhaupt nicht von den »durch die jüdischen Speisegesetze verbotenen Speisen« die Rede. •!) Doch findet sich eine ähnliche Auslegung (und Verwertung) desselben Psalmverses auch bei den Rabbinen, Tosifta Berach. C. IV: לא יטעום אדם כלום עד שיברך שנא׳ ל ד׳ ד א רץ ומלואה; cf. Ber. 35 a: א׳ ר, יהודה א׳ שמואל כל דנדנד מן העה״ז בלא ברכה כאלו נדנד מקדשי שמים שנא׳ ל ד,, ד א רץ ומלואה (s. auch Sabb. 119 a: אי ר׳ חייא בד אבא פעם אחת נתארחתי אצל בד״ב בלודקיא והביאו לפניו שלהן של זהב... ועליו כל מיני מאכל וכל מיני מגדים ובשמים וכשמניחין אותה או׳ לד׳ הארץ ו מלוא ה). Die Ähnlichkeit und zugleich auch freilich der Unterschied beider Auslegungen besteht darin, dass auch nach den Rabbinen, wie nach Paulus, alles Geniessbare auf Erden von Gott kommt; aber während nach Paulus eben darum alles auch schon erlaubt ist, ist dies nach Jenen nicht nur nicht der Fall, sondern darf auch das Erlaubte nicht ohne vorhergegangenen Segensspruch genossen werden.