Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Die Paulinische Lehre vom Gesetz
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 407 (sequence 8)
- Language
- German
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Die Paulinische Lehre vom Gesetz. 407 Dagegen scheint Paulus hinsichtlich des Ceremonialgesetzes, und zwar nicht bloss prinzipiell, was die Aufhebung desselben betrifft, sondern auch in Bezug auf die weitere Motivierung seiner Stellungnahme gegen die Beibehaltung des einen oder des andern auch für das Leben — allerdings durchaus neue Wege eingeschlagen zu haben. Hier ist er sich unläugbar stets völlig consequent geblieben. Und wenn er Oal. 4, 9—10 so weit geht, das Tage-Halten usw. mit den »unvermögenden armseligen Elementen« (des Heidentums)1) in eine Linie zu stellen, so steht dies allerdings ganz einzig da. Zwar heisst es wieder Röm. 14, 5. 6 (viel schwächer): »Der eine macht einen Unterschied unter den Tagen, der andere hält jeden Tag gleich: jeder mag, wie er es versteht, seine Ueberzeugung haben. Der etwas auf den Tag hält, der tut es für den Herrn; der da isst, der isst für den Herrn: denn er danket Gott, und der nicht isst, der unterlässt es für den Herrn, und danket auch Gott.« Doch hat sich Paulus im Vorhergehenden (14,ff.; vgl. V. 10. ff. 15, 1; I. Cor. 10. 25 ff.) darüber bereits erklärt. Es handelt sich ihm hier nur um die Duldung und Schonung der »Schwachen im Glauben«, vorzüglich in Rücksicht auf die Brüderlichkeit, wie auf die nicht genug zu vermeidende »Gewissensrichterei.« Gleichwohl kann man kaum umhin, an jene Erzählung des Talmud zu denken, wonach Schamraai die Sabbatmahlzeit so hoch hielt, dass er sich von Tag zu Tag darauf vorbereitete, während H i 11 e 1 eine (ganz) andere Gepflogenheit hatte, tragung auf das Nächstenliebegebot offenbar bereits vollzogen; denn, wie sollte Jemand auch Gott hassen wollen?! Dass sich das Wort ואין האוהב שונא (wörtlich: »ein Liebender aber hasset nicht«) mit dem paulinischen »Die Liebe bereitet dem Nächsten nichts Böses« dem Sinne nach vollständig deckt, braucht wohl nicht weiter erörtert zu werden. S. oben S. 42, Anm. 1.