Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1904)
- Article
- Die Paulinische Lehre vom Gesetz
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 405 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829776-2829784-2885479--32940-2885524- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Paulinische Lehre vom Gesetz. 405 füllenden rcvsu^a ein Zusammenhang besteht«. Und weiter noch: »Gewiss ist es eine moderne Unterscheidung, wenn man beim mosaischen Gesetz von Schale und Kern spricht; aber indem Paulus ausdrücklich da, wo er eingehender von der Erfüllung des Gesetzes redet, nur Gebote des Dekalogs erwähnt und das Gebot der Liebe als das wesentlichste Gebot betont . . hat er selbst einen Ansatz zu solcher Unterscheidung, deren er als förmlicher in vollem Umfange niemals sich bewusst geworden ist«. Damit erscheint aber, unserer bescheidenen Meinung nach, die frühere so bestimmte Behauptung Gräfes nahezu zurückgenommen. Was den Apostel selbst betrifft, so ist ja freilich nicht zu übersehen, dass dieses halbe Zugeständnis an das Gesetz mit seiner sonstigen, sozusagen zentralen Stellung zu demselben im Widerspruche steht. Aber dieser Widerspruch liegt in der Natur der Sache und war für ihn, Paulus, gar nicht zu vermeiden, ־— so wie er sich von dem Gebiet der abstrakten, dogmatisierenden Spekulation (über das Heiltum) auf das konkretere Gebiet der Ethik und der praktischen Lebensführung zu begeben hatte1). — Betrachten wir nunmehr die beiden Stellen Gal. 5, 14 und Röm. 13, 8—10 noch etwas näher, so hat man hier fürs erste eine Anspielung auf ein Herrnwort (Matth. 22, 37—40) vermutet2). Mit Unrecht glauben wir, da Paulus auch nicht mit einer Silbe darauf hindeutet3), wäh- 1) Es ist auch nicht recht ersichtlich, weshalb Paulus sich der fraglichen Unterscheidung zwischen Schale und Kern, wie Grafe sagt, »als förmlicher in vollem Umfange«, niemals bewusst geworden sein sollte. I Cor. 7, 19 (auch schon Röm. 2, 28. 29) beweisen direkt das Gegenteil. S. noch Anhang Nr. 21. 2) S. Lipsius zu Röm. 13, 8 (a. a. O. S. 184). Auch Weizsäcker (a. a. O. S. 134) meint, »es sei damit nicht mehr noch weniger gesagt, als dass der Gesamtinhalt des Gesetzes sich deckt mit dem nächsten und alles umfassenden Gebot des Evangeliums«. 3) Eben so wenig geschieht dies auch bei Jakob. 2, 8: »Ja, wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt nach der Schrift: »»Du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst««, so tut ihr recht«.