Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 358 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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358 Heinrich Oraetz. Ein Lebensbild. Studien über und zeigten daher in ihren Vorzügen und Schwächen alle Merkmale seiner bibelkritischen Exegese. Es schien fast, als wenn Oraetz nur die Fertigstellung der nachmakkabäischen, bis an die Gegenwart herangerückten Geschichte des Judentums abwarten wollte, um alsdann die zweite Phase seiner schriftstellerischen Tätigkeit mit voller Kraft aufzunehmen. Diese zweite Phase seiner litterarischen Wirksamkeit, die er sich ebenfalls als Lebensziel gestellt, galt der Exegese und der Kritik der biblischen Schriften, sie beginnt 1871 und hat ihn seitdem unaufhörlich beschäftigt, bis ihm der unvermutete Tod die bibelkritische Feder aus der Hand nahm. Man musste diese Phase eigentlich schon von 1869 ab datiren, denn als Zacharias Frankel, um sich in seine Forschungen über den sogenannten Jerusalemitischen Talmud zu vertiefen, die Redaktion der »Monatsschrift« 1869 an Graetz zur Fortführung übergab, eröffnete der letztere seine Redaktion sofort mit einem Artikel über »Die Ebjoniten des alten Testaments,« veröffentlichte in den nächsten Jahren eine Reihe von Aufsätzen über alttestamentliche Schriftauslegung und hebräische Sprachforschung, welche man teilweise als Vorarbeiten für die Geschichte der biblischen Zeit betrachten darf, und setzte diese Studien unablässig fast durch alle Jahrgänge bis 1887 fort, in welchem Jahre er zu seinem Leidwesen sich genötigt sah, das Erscheinen der Monatsschrift einzustellen. Bei dem geringen Umfang des biblischen Schrifttums, in welchem uns all das vorliegt, was sich von der altisraelitischen Litteratur gerettet hat, bei dem mangelhaften Besitz an hebräischem Sprachgut, über den wir infolge dessen zu verfügen haben, bleibt selbst demjenigen Ausleger, der sich treu und sklavisch an das Wort und die Ueberlieferung hält, immer noch ein überaus weiter Spielraum für individuelles Ermessen und subjective Hypothesen, für welche nicht der bündige Beweis die Ueber-