Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 356 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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356 Heinrich Graetz, ein Lebensbild. der gelehrten Laufbahn, ward durch diese behördliche Anerkennung wesentlich ausgeglichen und saniert. Mit dem Erscheinen des elften Bandes im Jahre 1870 hatte er die jüdische Geschichte von der Erhebung der Makkabäer bis dicht auf die Gegenwart — 1848 — durch neun Bände hindurch in ununterbrochener Aufeinanderfolge hinabgeführt. Es galt jetzt, um das Werk zu vervollständigen und abzuschliessen, die Uranfänge des Judentums, die biblische und vormakkabäische Zeit zur Darstellung zu bringen. Graetz hat dieser Partie die angelegentlichste Sorgfalt gewidmet und auf ihre Darstellung grossen Wert gelegt, weil er die Behandlung gerade dieser Geschichtsperioden für eine der schwierigsten Aufgaben hielt. Sie war natürlich nicht ohne bibelexegetische und textkritische Forschungen zu lösen, für solche jedoch glaubte sich Graetz besonders befähigt und berufen, wie er ihnen sein ganzes Leben hindurch mit besonderer Vorliebe obgelegen. Ehe er jedoch an die Geschichtserzählung von Israel und Altjuda herantrat, drängte es ihn, das heilige Land Israels, das er so oft mit seiner Seele suchte, auch mit eigenen Augen zu schauen. Es war wohl ebenso sehr der Drang der Sehnsucht, wie ein künstlerischer Trieb, der ihn unwiderstehlich nach Palästina zog, um den weihevollen Stätten, welche die Unterlage und die Zeugen jener altehr־ würdigen, merkwürdigen Begebenheiten gewesen, für die Schilderung dieser Begebenheiten die lokale Farbe und Stimmung abzulauschen. Schon 1865 hatte er eine Palästinafahrt geplant, aber erst im März 1872 konnte er, als sich zwei Freunde ihm anschlossen, den Plan ausführen. Da er dabei nur auf seine engen Privatmittel angewiesen war, auch auf seine Reisegefährten Rücksicht zu nehmen hatte, so konnte ihn wohl die dabei gewonnene wissenschaftliche Ausbeute nicht recht befriedigen, er hatte indess gefunden, was zu suchen er eigentlich ausgezogen war; hatte er doch Eindruck, Schwung und Begeisterung heimgebracht. In