Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 354 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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354 Heinrich Graetz. Ein Lebensbild. Die einzige Förderung, die Graetz dabei erfahren, ging von einem Literaturverein aus, den Dr. Ludwig Philippson, der genialste und fruchtbarste Journalist des Rabbinertums und dazu ein ungewöhnliches, erfolgreiches Organisationstalent, 1855 unter dem Namen »Institut zur Förderung der israelitischen Litteratur« ins Leben gerufen. Für einen durchaus mässigen Jahresbeitrag wurden mehrere sehr gute Bücher alljährlich geliefert, unter welchen aller־ dings meist ein Geschichtsband von Graetz die piece de resistance bildete. Dadurch war seiner Geschichte von vornhinein eine grosse Vorbereitung gesichert, anderseits aber wurde auch das »Institut« so wirksam durch die Graetz’schen Bücher getragen, dass dasselbe, als Graetz den letzten (elften) Band wegen Differenzen mit Philipp־ son aus diesem Verlag zurückzog, sich nicht lange mehr halten konnte. Dahingegen hat es dem Historiker an zahl־ reichen Anfeindungen, Eifersüchteleien und Nörgeleien nicht gefehlt. Man benützte ihn allenthalben und sekretierte ihn am liebsten. In der ersten Zeit namentlich mäkelte und meisterte man an seiner Arbeit herum, als wenn jeglicher Banause, der in seinem beschränkten Kreise als kenntnis־ reicher Talmudist angesehen wurde, nur die Feder anzu־ setzen brauchte, um solch eine Geschichte viel besser zu schreiben und richtiger zu gestalten. Als man später jedoch anerkennen musste, geschah es meist nur mit halber Stimme und mit sauersüsser Miene. Die jungen Theologen beider zweiten American Jewish Publication Society. Als Graetz im Jahre 1887 London besuchte, wurde die englische Übersetzung des ganzen Werkes von dort aus in Angriff genommen und durchgeführt. Sowohl die französische wie die englische Übersetzung bildeten zugleich eine Umarbeitung des deutschen Originals, indem Graetz nicht bloss die Resultate der neuesten Forschungen hineingeflochten, sondern auch der Geschichte der Juden desjenigen Landes, in dessen Sprache die Übersetzung erfolgte, eine besondere Berücksichtigung zuwandte. Die hebräische Übersetzung wurde zuerst von Kaplan und dann von Rabbinowicz besorgt.