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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-06-01 · Heft 6 (Juni 1904) · p. Seite 353

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 6 (Juni 1904)
Article
Heinrich Graetz
Date
1904-06-01
Page
Seite 353 (sequence 8)
Language
German
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Heinrich Graetz. Ein Lebensbild. 353 tums hervorgegangen, Beide schliesslich von ihrem jüdisehen Ursprung sich lösend, der Erstere, von dem mystisehen Irrlicht verlockt, in dem moralischen Sumpf schwindelhafter Verworfenheit versinkend, der Letztere, von philo־ sophischem Geist getragen, zur wetterlosen aber kalten Höhe eines idealen Weisen sich emporschwingend1). Seiner schöpferischen und zugleich warmblütigen Gestaltungskraft ist es gelungen, in die kalte Atmosphäre stumpfer Gleichgültigkeit, welche sich immer erstarrender über die Gemüter der jüdischen Glaubenswelt ausbreitete, den warmen erlösenden Frühlingshauch zu leiten und das allgemeine Interesse für den Geist und die Geschichte des Judentums neu zu beleben. Der populärste Schriftsteller innerhalb der jüdischen Wissenschaft, konnte er den für einen jüdischen Autor beispiellosen Erfolg verzeichnen, dass sein so bändereiches Werk, welches nur auf gelehrte Leser berechnet schien, in verhältnismässig kurzer Zeit es auf drei Auflagen, ja in einigen Teilen sogar zu einer yierten Auflage gebracht hat; dasselbe ist überhaupt Gemeingut der gesamten Glaubensgenossenschaft geworden und wurde in alle Weltsprachen übersetzt, in’s Englische, in’s Russische; und last not least ins Hebräische2). v) Band 10, cap. 6 und 7. 2) Die französischen, englischen und hebräischen Übersetzungen seiner Geschichte hat Graetz zumeist selbst überwacht und die Aushängebogen zum grössten Teil durchgesehen. Die französische Über- Setzung wurde von seinem Freunde M. Hess, einem sozialistischen Schriftsteller, dem Verfasser von ״Rom und Jerusalem«׳ angefertigt. Der dritte Band wurde zuerst übersetzt und erschien unter dem Titel »Sinai und Golgotha“ (Paris 1867). Darauf folgte der sechste mit der Bezeichnung »Les Juifs d'Espagne«. Der Krieg von 1870 hatte die deutschen und französischen Juden einander überaus entfremdet, so dass die Fortsetzung des Werkes abgebrochen wurde und erst in den achtziger Jahren wieder aufgenommen werden konnte. Bei der englisehen Übersetzung wurde mit dem vierten Band begonnen (New- York 1873), Übersetzer war James H. Gutheim auf Veranlassung der Monatsschrift, 48. Jahrgang. 23

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