Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 350 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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350 Heinrich Oraetz. Ein Lebensbild. bestätigt worden1). — Nicht minder seltsam klingt eine Erzählung (Sabbath 17a): »Man steckte ein Schwert in’s Lehrhaus und sagte: wer will, darf hineingehen, aber Niemand darf herausgehen u. s. w.« Graetz löst dieses Rätsel: eine terroristische Synode, in dem ersten Jahr der Revolution gegen Nero von den Schammaiten in Scene gesetzt!2 3 *) wie er überhaupt den Gegensatz zwischen der Schule HiUePs und SchammaPs nicht bloss als einen theoretischen, sondern als einen politischen erfasst und in den verbissenen Zeloten die extremen Schammaiten wieder erkannt hat. »Ein anerkennenswertes Verdienst hat sich »Graetz durch Aufdeckung dieser bis dahin von niemand »recht gewürdigten Tatsache (der terroristischen Synedrial- »Sitzung) erworben, welche an sich sehr bedeutsam erscheint »und noch mehr Beachtung fordert wegen anderer sich »daran knüpfenden Ergebnisse . . . Jedenfalls ist ein zwei- »tes Verdienst des Herrn Graetz, nämlich die Benützung der »Megillath Taanith als Geschichtsquelle und die Ermittlung »der Angaben derselben, wenn auch manches noch zwei- »felhaft bleibt, von gleich grosser Bedeutung,« so urteilt der Historiker8) Jost, gewiss ein spruchbefugter Richter in diesen Dingen. * Wo soviel Licht ausstrahlt, kann es auch an Schatten nicht fehlen. Die Kehrseite seiner hohen Vorzüge zeigt sich darin, dass er seine Subjektivität zuweilen stark vorwalten lässt, dass er bei seinen Hypothesen allzusehr nach klarer, scharfer Bestimmtheit strebt, während die Ereignisse häufig ineinander fliessen, die Charaktere oft vielleicht wechselnden, widersprechenden Stimmungen und Motiven nachgeben, die Texte möglicherweise von ihren Verfassern eine uns gar nicht mehr verständliche, un- 1j Vgl. Band 4, Zweite Auflage Not. 14. — 2) B. 3. Zweite Auflage, Not. 26. 3) Jost, Qesch. des Judentums und seiner Sekten. Abt. 1 S. 437. Anm. 3.