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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-06-01 · Heft 6 (Juni 1904) · p. Seite 349

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 6 (Juni 1904)
Article
Heinrich Graetz
Date
1904-06-01
Page
Seite 349 (sequence 4)
Language
German
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Heinrich Oraetz. Ein Lebensbild. 349 nutzen habe. Die nichtjüdischen Gelehrten und Un־ gelehrten waren schnell fertig damit, was so häufig auf diesem Schriftgebiet unverständlich oder befremdlich lautet, als talmudische Unwissenheit oder rabbinischen Aberwitz zu erklären, und die Männer der jüdischen Aufklärungsperiode schwankten zum mindesten, ob sie nicht solcher Verurteilung beipflichten müssten. Graetz wies nun nachdrücklich darauf hin, dass gerade in den historischen Relationen meist eine heillose Verwüstung des Textes ein־ gerissen sei, welche repariert werden müsse. Ebenso liege zuweilen bald eine pragmatische, bald eine tendenziöse Ausgestaltung der geschichtlichen Ueberlieferung vor, oder es haben legendäre Schichten um einen tatsächlichen Kern sich abgelagert, der eben herauszuschälen sei; ganz abgesehen davon, dass die plastische Ausdrucksweise der Rabbinen einem fremden Anschauungskreis entlehnt, durch moderne Begriffe ausgelöst werden müsste. Um auch hiefür eine Probe beizubringen, so wird in einer altrabbinischen Chronik Seder olam rabbah berichtet, dass von dem Krieg des Vespasian bis zum Kriege des Titus (22 (טיטוס Jahre abliegen. Ist es schon unhistorisch und unberechtigt, zwischen einem Krieg des Vespasian und einem solchen des Titus zu scheiden, so bleibt die Zeitangabe von 22 Jahren schlechterdings unbegreiflich; dieselbe unverständliche Scheidung zwischen einem Krieg des Vespasian und des Titus wiederholt sich auch in der Mischnah zum Schluss des Traktats Sotah. Graetz änderte nur einen einzigen Buchstaben ט in ק und liest statt טיטוס (Titus) vielmehr קיטום (Kitus) Quietus. Damit hat er einen palästinensischen Aufstand un־ ter Lucius Quietus entdeckt, über den freilich nichts Naheres zu erfahren ist, dessen Existenz aber ausser Zweifel steht; merkwürdigerweise ist diese ebenso einfache, wie geistvolle Konjektur durch eine handschriftliche Lesart

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