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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-06-01 · Heft 6 (Juni 1904) · p. Seite 348

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 6 (Juni 1904)
Article
Heinrich Graetz
Date
1904-06-01
Page
Seite 348 (sequence 3)
Language
German
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348 Heinrich Graetz. Ein Lebensbild. versteht; es ist dies nicht bloss in grossen und allgemeinen Zügen hingeworfen, es wird auch im Einzelnen ausgeführt Um doch das eine oder andere Beispiel dafür bei־ zubringen, wie unser Historiker auf solche Weise die geschichtliche Forschung gehoben und auch bereichert hat? sei auf das Kapitel vom Oaon Saadiah (Bd. 5) hingewiesen, der von Rapoport ans Licht gezogen worden, über den Geiger dann wertvolle Aufschlüsse gegeben, dessen epochemachende Bedeutung und schriftstellerische Tätigkeit erst von Graetz in das volle Licht gerückt wurde. — Chasdai Kreskas ist in seinem hochbedeutsamen Einfluss auf phi־ losophischem und sozialem Gebiet erst von Graetz wieder erkannt (Bd. 8) und gewürdigt worden. — Der grosse Religionsdisput von Tortosa, über den eine gute jüdische Quelle berichtet, ist doch erst durch eine scharfsinnige Konfrontation dieser Quelle mit christlichen Mitteilungen in seinem geschichtlichen Zusammenhang und seiner politisehen Tendenz (Bd. 8) klar gestellt worden. Aus dem sagenhaften Zwielicht, das die Schwärmer David Reubeni und Salomo Molcho umspielte, und dem man keinen grös־ seren Glauben als etwa einer Hallucination und Phantasterei beizulegen geneigt war, hat Graetz (Bd. 9) die abenteuerliehe Wirklichkeit herausgefunden. Er besass eben einen merkwürdigen Instinkt für die Realität von Tatsachen, so verwunderlich sie auch erschienen, und dazu eine seltene Sagazität, um einen entstellten Text auf seinen tatsächlichen Inhalt zu verstehen und zu emendieren. Solche Eigenschaften hatten ihn b efähigt die talmudische Denk- und Aus־ drucksweise erfolgreich in die moderne Empfindung und Anschauung zu über־ tragen und eine musterhafte Anleitung zu geben, wie man die Schriften der talmudischen Zeit als wertvolle Geschichtsquellen kritisch zu verwerten und auszu-

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