Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 331 (sequence 4)
- Language
- German
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Die Einführung des Hebräischen in Wit tenberg. 331 liebenswürdigen jungen Freund Ko pp es, denn in den meisten der zahlreichen Ketzerprozesse, die die nichts weniger als tolerante Universität im Jahre 1523 veranstaltete, erscheint Wernher von Bacharach als Denunziant und Zeuge1). Er hatte sich somit recht artig ausgewachsen. Seinen Verlust konnte Wittenberg ohne Reue ertragen. Aber auch die Aufnahme Adrians war von zweifelhaftem Wert für die Universität Wittenberg, wie sich nach nicht langer Zeit herausstellen sollte. Er war nach vielstimmigem Urteil2) ein gründlicher Kenner der hebrä־ ischen Sprache und ihrer Litteratur, auch der abgelegenstell und dunkelsten; im Lateinischen allerdings war er trotz seiner Universitätsstudien ein kaum glaublicher Stümper, er behandelte es wie eine Art Lingua franca oder etwa wie die Italiener die spätlateinische Urkundensprache3). Seiner Kenntnisse war er sich wohlbewusst und tat sich übermässig viel darauf zugut. Daher war er rechthaberisch und fast unhöflich im geselligen Verkehr. Es konnte deshalb voraussichtlich bei der Stellung Luthers zu der hebräischen Professur an Zündstoff für Streitigkeiten nicht fehlen, und aus den parallelen Verhandlungen mit E i nh o rn lässt sich entnehmen, dass es Luther gar nicht ungern gesehen hätte, wenn dieser weniger hochgelehrte, noch junge, bescheidene und daher wohl schmiegsamere Mann anstelle Adrians trotz des grossen Respekts, den er vor dessen Gelehrsamkeit hatte, nach Wittenberg gekommen wäre. Matthaeus Adrianus war in Spanien von jüdischen Eltern geboren und hatte sich die volle Bildung ג) C. Prantl, a. a. O., I, 158. 2) Besonders nach dem von Reuchlin und Erasmus, vgl. w. u. 3) Vergl. seinen Brief an Johann Amorbach bei L. Geiger, Zur Geschichte des Studiums d. hebr. Sprache in Deutschland, a. a. O., 192-196.