Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-06-01 · Heft 6 (Juni 1904) · p. Seite 325

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 6 (Juni 1904)
Article
Die Paulinische Lehre vom Gesetz
Date
1904-06-01
Page
Seite 325 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829776-2829783-2885393--32847-2885417
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Die Paulinische Lehre vom Gesetz. 325 um einen Teil des Gesetzes; aber jedenfalls um einen der wichtigsten und umfassendsten (Familienreinheit!)1). Ferner läuft die hier vorgetragene Lehre allerdings der paulinischen schnurstracks zuwider, und wir werden es ja auch nur allzu begreiflich finden, dass und warum in derjenigen Schule, aus welcher R. Jochanan b. Sakkai hervorgegangen war, wie auch in der von ihm neu gegründeten — und zwar beide Male sicherlich ganz unabhängig von dem entstehenden Christentume — die dem Gesetze auch in der messianischen Zukunft seine Rolle anweisende Lehre zur herrschenden geworden ist2). Aber dass auch die entgegengesetzte, mit der des Apostels prinzipiell übereinstimmende Ansicht um dieselbe Zeit bereits vorhanden war und auch in den Kreisen der Schule ihre namhaften Verfreier gehabt haben müsse, das beweist gerade die nachdrückliche, ja feierliche Art und Weise, mit welcher unsere Mischna ihr gegenüber offenbar Stellung nimmt3). Ueber den letzten Grund, weshalb solcherweise an ein gänzliches oder auch teilweises Aufhören des Gesetzes dieser Beziehung, nämlich was die Gewalt über das Gesetz betrifft, nur als Vorläufer des Ersteren zu betrachten sein. *) Zumal für jene Zeit. S. übrigens den Commentar des Maimonides zu unserer Mischna: לפי שמשה ספר בביאת המשיח . ♦ . ושיקדים אותו האיש לישר לו הארץ והוא אליהו והודה להם שהאיש ההוא לא יוסיף ולא יגרע בתורה אבל יסלק ויסיר החמסים בלבד. 2) Was jedoch nicht verhindert, dass uns schon wieder in der Tosifta (Kidduschin C. V.) auch die abweichende Meinung begegnet: נתיני! וממזרי] טהורין לע״ל דברי ר׳ יוסי ר׳ מאיר אוי אין טהורין א״ל ר׳ יוסי והלא בבר נא׳ וזרקתי עליכם מים טהורי, etc. Cf. b. Kidd. 72b, woselbst die Ansicht des R. Jose sogar zur Halacha erhoben wird, im Gegensatz zu j. Kidd. 65 a: ר׳ הונא בשם ר׳ יוסף אי אין הלכה כר׳ יוסי (welch Letzteres jedoch wahrscheinlich der Korrektur bedarf). 3) Auch Jesus (Matth. 5, 17—-19: ״Denkt nicht, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen usw.“) würde sich wohl kaum so geäussert haben, wenn die entgegenstehende Ansicht, nächstdem, dass sie eine volkstümliche war, nicht auch schulmässig verbreitet gewesen wäre.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.