Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Die Paulinische Lehre vom Gesetz
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 322 (sequence 2)
- Language
- German
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322 Die Paulinische Lehre vom Gesetz. d. i. um Christus von den Toten herauf zu holen — sondern was sagt sie? ״״Das Wort ist dir nahe, in deinem Munde und in deinem Herzen״״ — d. i. das Wort des Glaubens, welches wir verkünden. Nämlich, wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet werden« (10, 2—10). Paulus erblickt also in den (sehr frei nach der Septuaginta) angeführten Worten des Deuteronomiums (30, 12—14), indem er sie auf Jesus bezieht, die (textliche) Beziehung auf das Gesetz aber ganz und gar umgeht, eine »typische Vorausdarstellung der Glaubensgerechtigkeit“1). Zugleich soll aber auch durch die Gegenüberstellung dessen, was »Moses von der Gerechtigkeit durch das Gesetz« und was (bei demselben Moses) ״die Gerechtigkeit aus dem Glauben״ sagt, die Inferiorität der ersteren nicht bloss sondern auch ihre Abgetanheit, ihre Verflossenheit und völlige Ueberholtheit durch die letztere dargetan sein. Inwiefern? Warum ist ״Christus des Gesetzes Ende, um Jeden, der glaubt, zur Gerechtigkeit zu bringen?״ (V. 4). Und wie soll dies denn aus dieser blossen und nackten Gegenüberstellung der beiden Schrift stellen (Lev. 18, 15 und Deut. 30, 12—14) in so zwingender Weise hervorgehen?2) Mit anderen Worten: gesetzt auch, es bezögen sich jene Worte des Deuteronomiums auf ף Nach Lipsius z. St. (Rom. 10, 6, a. a. O. S. 167). S. daselbst auch die richtige Kennzeichnung des dreimaligen ׳tout’ sgtlv (S. 7, 8, 9, wie schon vorher 9, 8; vgl. Matth. 27, 46) als Midrasch. 2) Die Verse 5—10, sagt Lipsius (ebendas, zu V. 4), ״erweisen aus dem verschiedenen Wesen der Glaubensgerechtigkeit und der Gesetzesgerechtigkeit, dass das Gesetz wirklich in Christo sein Ende gefunden hat“. Allein, worin dieses verschiedene Wesen der beiden Arten der Gerechtigkeit eigentlich bestehen soll, davon findet sich hierselbst in den Worten des Apostels (im Gegensätze etwa zu Rom. 4, 5 ff 11, 6) auch nicht eine Spur. Es bleibt vielmehr ganz bis zuletzt bei der blossen und nackten Gegenüberstellung.