Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1904-05-01
- Page
- Seite 309 (sequence 10)
- Language
- German
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Heinrieh Oraetz. Ein Lebensbild. 309 und das nun in regelmässiger, ununterbrochener Folge seiner vollen Verwirklichung entgegenschritt. Im Jahre 1856 erschien der dritte Band »Geschichte der Juden von dem Tode Juda Makkabi’s bis zum UnterT gang des jüdischen Staates«, um dadurch seine Auffassung der talmudischen Epoche, mit der er »als der am wenigsten innerlich verstandenen« begonnen hatte, zu ergänzen und zu begründen, und um zugleich den ganzen Boden klar und fest zu stellen, in welchem die Wurzeln für die jüdische Geschichte des diasporischen Zeitraumes liegen. Die Geschichte der Diaspora bis auf die neueste Zeit herab wollte er nämlich zuerst erledigen, und so war er wieder, wie er in der Vorrede zu dem darauf folgenden Band erklärte, »in das rechte Geleis eingefahren«, als er im Jahre 1860 den fünften Band veröffentlichte: »Geschichte der Juden vom Abschluss des Talmud (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)«. Nun musste jeder Zweifel schwinden, es war dem Judentum nach langen Jahren ein echter Historiker erstanden. 7. D e r Historiker. Der Historiker ist eben ein Anderes als ein Gelehrter. Dem Gelehrten fällt hauptsächlich die Aufgabe zu, die historische Überlieferung kritisch zu sichten, die Tat-‘ Sachen zu ermitteln und zu gruppiren, die Personen zu identifizieren und zu scheiden, Raum und Zeit genau abzugrenzen, den Zusammenhang der Ereignisse in ihrem kausalen Verhältnis, Ihrer Abfolge, ihrer gegenseitigen Wechselwirkung zu bestimmen und nachzuweisen; aber ihm ist das Einzelne und Kleine, dem gerade seine Untersuchung gilt, ebenso wichtig wie das Grosse, Umfassende und Entscheidende, er braucht die Perspektive seiner Gestalten und Figuren nicht allzu ängstlich abzumessen, auch tritt die stylistische Form und Vortragsweise zurück, die eben